Einzargiger (z.B. Dadant) versus zweizargiger Brutraum (z.B. Zander)

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josefBay
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Einzargiger (z.B. Dadant) versus zweizargiger Brutraum (z.B. Zander)

Die Dadantimker argumentieren,

- dass das Ziehe der einzelnen Brutwaben eine weit geringer Störung für das Bienenvolk darstellt, als wenn man den Brutraum (obere und untere Brutzarge) auseinander nimmt.

- Man durch das Ziehen der einzelnen Waben einen Gesamtüberblickt hat, denn man bei der Kippkontrolle oder beim Ziehen der Waben der oberen Brutraumzarge nicht erhält.

- Die Königin nicht so gerne Rähmchengrenzen mit Holz überwindet und deshalb die Königin große Waben für die Brut besser nutzt.

- Eine Anpassung des Brutraums durch den Trennschied eine Bessere Steuerung des Bienenvolks ermöglicht.

- Zuviel Pollen mit etwaigen Auswirkungen auf die Schwarmstimmung im Volk schnell erkennbar und leicht korrigierbar ist.

- Dass das Argument mit gleicher Zargenhöhe im Brut- und Honigraum meist nicht dauerhaft hält, da auch  Imker mit zweizargigem Zanderbrutraum mit dem Gewicht von Zander-Honigzargen Probleme bekommen (spätestens wenn sie älter werden) und dann flachere Zargen im Honigraum nutzen.

 

Die Imker mit zweizargigem Brutraum argumentieren:

- dass die Ablegerbildung mit gleichen Zargengrößen im Brut- und Honigraum einfacher klappt.

- Schwarmprüfung durch Kippkontrolle einfach und schnell ohne große Störungen möglich ist.

-Mittelwände am Rande des Brutraums, die sofort mit Honig gefüllt werden, problemlos in den Honigraum umgehängt werden können.

- Eine Erneuerung des Wabenbaus einfacher möglich ist.

 

Wenn die Nachteile der zweizargigen Bruträume stimmen, dann haben es Imker mit drei Flachzargen im Brutraum ja noch viel schwerer.

Welche Erfahrungen habt Ihr dazu?

Gibt es jemanden der Erfahrung mit beiden Typen hat und wenn ja welche?

 

Liebe Grüße JosefBay

Josef Bayrhammer

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beepaps
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Re: Einzargiger (z.B. Dadant) versus zweizargiger Brutraum (z.B. Zander)

Servus Josef !

Ich beobachte ständig die einzelnen Varianten und diskutiere ständig mit den Kollegen, wo sich Gelegenheit bietet.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Frage des Standortes der Beuten in Verbindung mit dem ständigen Trachtangebot eine wesentliche Rolle bei der Entscheidung spielt. Natürlich kann sowohl die eine als auch die andere Betriebsvariante, mehr oder weniger gut, funktionieren. Es gibt bei jeder Variante Vor- und Nachteile, der Bien`würde sowieso keine davon aussuchen. Es ist, so denke ich, oft auch so, dass erst mit der Zeit die Erfahrung aufkommt, welche Beuten- und Rähmchenform für den eigenen Standort den Bienen und dem Imker am bekömmlichsten ist.  Jede(r) ImkerIn sollte aber auch zu einem Mittelweg bereit sein und nicht unbedingt nur die eigenen Bedürfnisse in den Vordergrund stellen.

Wenn ich schwere Lasten nicht mehr heben kann/darf, aber an meinem Standort z.Bsp. Brutraum und Honigraum in Zander Normalmaß gut funktioniert, dann bleibt auch die Möglichkeit die Honigwaben einzeln zu entnehmen bzw. Arbeitsabläufe zu überdenken bevor ich auf zwei Rähmchenmaße umstelle und dann vielleicht doch die ganze Flachzarge spazieren trage.

Mancherorts wird aber auch genau das Gegenteil besser sein, weil die Trachtverhältnisse es erfordern und das Brutgeschäft es erzwingen.

Ich werde 2012 selbst den Schritt wagen und versuchsweise mit ein paar Beuten ein neues Rähmchenmaß (gänzlich Zander flach) probieren. Die restlichen Völker würde ich erst umstellen, wenn ich davon überzeugt bin.

Ein altgedienter Nachbarimker hier im Raum Innsbruck, betreibt den Brutraum mit Dadant und den Honigraum mit Zander flach, aber auch er muß manchmal zugeben, dass zwei verschiedene Rähmchenmaße in einer Beute beim Arbeiten oft hinderlich sind.

 

liebe Grüße von beepaps

(wer das Kleine nicht ehrt, ist das Große nicht wert)

Sommerbiene
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Re: Einzargiger (z.B. Dadant) versus zweizargiger Brutraum (z.B. Zander)

Ich arbeite mit Dadant und könnte mir gar nicht vorstellen, eine zweizargigen Brutraum zu betreiben. Von Anbeginn erschienen mir zwei Bruträume für die Bienen völlig unnatürlich und habe ich mich daher rasch für Dadant entschieden. Wenngleich man mich gewarnt hatte, mit diesen Beuten weitgehend alleine dazustehen und keine Unterstützung zu haben, ist es mir damit bis heute sehr gut gegangen Zwinkernd

Grüße von der Sommerbiene.

Reinhard
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Re: Einzargiger (z.B. Dadant) versus zweizargiger Brutraum (z.B. Zander)

Heisst mit Dadant imkern immer, dass man Absperrgitter verwenden MUSS?

Pfiati, Reinhard

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Mindelsee
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Re: Einzargiger (z.B. Dadant) versus zweizargiger Brutraum (z.B. Zander)

Reinhard,

 

nein, heisst es nicht

 

Gruss vom nebeligen Mindelsee

Sommerbiene
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Re: Einzargiger (z.B. Dadant) versus zweizargiger Brutraum (z.B. Zander)

beepaps schrieb:

Ein altgedienter Nachbarimker hier im Raum Innsbruck, betreibt den Brutraum mit Dadant und den Honigraum mit Zander flach, aber auch er muß manchmal zugeben, dass zwei verschiedene Rähmchenmaße in einer Beute beim Arbeiten oft hinderlich sind.

Ich empfinde es nicht als hinderlich, habe es aber nie anders gehabt. 

Grüße von der Sommerbiene.

Mindelsee
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Re: Einzargiger (z.B. Dadant) versus zweizargiger Brutraum (z.B. Zander)

Hallo Josef,

 

ich finde die Wortwahl sehr unglücklich. Ob ich eine Einraum- oder Zweiraumbetriebsweise nutze hat rein garnichts mit Dadant oder Zander zu tun. Mit beiden Systemen ist beides möglich.

Vollzargen im Honigraum sind bei allen Magazinbetriebsweisen weder ergonomisch noch sonstwie für einen erwerbsorientierten Imker vertretbar - im Hobbybereich und bei Einzelwabenimkerei mag das anders aussehen. Aber wer Honigwaben im Brutraum hat und dann noch umhängt, der ist sowieso nicht am Erwerb interessiert und würde, meines Erachtens, mit Trog-/Lagerbeute oder Hinterbehandler viel besser fahren.

Kippkontrolle geht bei Einraumbetriebsweisen noch besser als  bei Zweiraumbetriebsweisen und ist bei Einraumbetriebsweise viel besser zur Schwarmkontrolle geeignet.

Flachzargen im Brutraum sind eine andere story. Da gibt es derart viele Betriebsweisen dass ein direkter Vergleich noch schwieriger wird. Wenn wir zum Beispiel Flachzargen im BR fahren, dann werden die zwei BR-Zargen während der Saison nie getrennt.

 

Gruß vom nebeligen Mindelsee

Michael

 

 

josefBay schrieb:

Die Dadantimker argumentieren,

- dass das Ziehe der einzelnen Brutwaben eine weit geringer Störung für das Bienenvolk darstellt, als wenn man den Brutraum (obere und untere Brutzarge) auseinander nimmt.

Mir ist kein Dadantimker bekannt der so argumentiert. Wer ist das? Wäre ja ein Argument für Einraumbetriebsweise, nicht für Dadant.

Die Wahl zwischen diesen Systemen ist eine rein betriebswirtschaftliche Entscheidung ist).

 

josefBay schrieb:

Die Dadantimker argumentieren,

- dass das Ziehe der einzelnen Brutwaben eine weit geringer Störung für das Bienenvolk darstellt, als wenn man den Brutraum (obere und untere Brutzarge) auseinander nimmt.

- Man durch das Ziehen der einzelnen Waben einen Gesamtüberblickt hat, denn man bei der Kippkontrolle oder beim Ziehen der Waben der oberen Brutraumzarge nicht erhält.

- Die Königin nicht so gerne Rähmchengrenzen mit Holz überwindet und deshalb die Königin große Waben für die Brut besser nutzt.

- Eine Anpassung des Brutraums durch den Trennschied eine Bessere Steuerung des Bienenvolks ermöglicht.

- Zuviel Pollen mit etwaigen Auswirkungen auf die Schwarmstimmung im Volk schnell erkennbar und leicht korrigierbar ist.

- Dass das Argument mit gleicher Zargenhöhe im Brut- und Honigraum meist nicht dauerhaft hält, da auch  Imker mit zweizargigem Zanderbrutraum mit dem Gewicht von Zander-Honigzargen Probleme bekommen (spätestens wenn sie älter werden) und dann flachere Zargen im Honigraum nutzen.

 

Die Imker mit zweizargigem Brutraum argumentieren:

- dass die Ablegerbildung mit gleichen Zargengrößen im Brut- und Honigraum einfacher klappt.

- Schwarmprüfung durch Kippkontrolle einfach und schnell ohne große Störungen möglich ist.

-Mittelwände am Rande des Brutraums, die sofort mit Honig gefüllt werden, problemlos in den Honigraum umgehängt werden können.

- Eine Erneuerung des Wabenbaus einfacher möglich ist.

 

Wenn die Nachteile der zweizargigen Bruträume stimmen, dann haben es Imker mit drei Flachzargen im Brutraum ja noch viel schwerer.

Welche Erfahrungen habt Ihr dazu?

Gibt es jemanden der Erfahrung mit beiden Typen hat und wenn ja welche?

 

Liebe Grüße JosefBay

Mindelsee
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Re: Einzargiger (z.B. Dadant) versus zweizargiger Brutraum (z.B. Zander)

Hallo beepaps,

 

beepaps schrieb:

Jede(r) ImkerIn sollte aber auch zu einem Mittelweg bereit sein und nicht unbedingt nur die eigenen Bedürfnisse in den Vordergrund stellen.

sehe ich nicht so. Beute und Betriebsweise müssen ausschließlich zum Betrieb passen. Nur dann kann die Nutztierhaltung erfolgreich sein. Standort und Biene kann man, in der hier diskutierten Magazinimkerei, jederzeit "anpassen".

beepaps schrieb:

Wenn ich schwere Lasten nicht mehr heben kann/darf, aber an meinem Standort z.Bsp. Brutraum und Honigraum in Zander Normalmaß gut funktioniert, dann bleibt auch die Möglichkeit die Honigwaben einzeln zu entnehmen bzw. Arbeitsabläufe zu überdenken bevor ich auf zwei Rähmchenmaße umstelle und dann vielleicht doch die ganze Flachzarge spazieren trage.

Womit sämtliche Arbeitseffizienz und Vorteile des Magazins flöten gehen. Meiner Meinung nach sollte man nicht die Magazinbetriebsweise aufgeben sondern als Konsequenz aus solchen Problemen (die durch unergonomisches Arbeiten entstehen) entweder in

- Mechanisierung oder

- angepasste Beute investieren.

 

beepaps schrieb:

Mancherorts wird aber auch genau das Gegenteil besser sein, weil die Trachtverhältnisse es erfordern und das Brutgeschäft es erzwingen.

Ich werde 2012 selbst den Schritt wagen und versuchsweise mit ein paar Beuten ein neues Rähmchenmaß (gänzlich Zander flach) probieren. Die restlichen Völker würde ich erst umstellen, wenn ich davon überzeugt bin.

Gute Idee. Gehard Mohr aus Vorarlberg hält dazu übrigens genial gute Vorträge. So auch letzte Woche in Radolfzell. War eine sehr gelungene Herbstversammlung des Imkervereins Radolfzell.

beepaps schrieb:

Ein altgedienter Nachbarimker hier im Raum Innsbruck, betreibt den Brutraum mit Dadant und den Honigraum mit Zander flach, aber auch er muß manchmal zugeben, dass zwei verschiedene Rähmchenmaße in einer Beute beim Arbeiten oft hinderlich sind.

Wenn Ihn das "hindert" scheint seine Betriebsweise nicht zu seiner Beute zu passen Lächelnd

 

Gruß vom nebeligen Mindelsee

 

Miochael