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Von der Frühtracht bis zur Heide - Einblicke in eine Berufsimkerei in Deutschland

Die Berufsimkerei Stöckmann besteht seit 1922 und wurde gegründet von Karl Stöckmann senior. Heute ist die Imkerei einer der modernsten Ausbildungsbetriebe

mit über 600 Völkern. Gewandert wird mit den Völkern in alle Gegenden Deutschlands
Das Fundament einer Imkerei:
Ein Imkereibetrieb ist als eine Gesamtheit verschiedener wichtiger Grundsteine anzusehen. Ganz wichtig in einer Imkerei sind zum Beispiel gute Kollegen und Freunde, eine gute Ausbildung, und sehr wichtig: eine Familie die im Hintergrund dazu steht und dann natürlich noch
viel Gesundheit. Weiter gehören zu einer Imkerei Betriebsmittel
wie LKW und Schleuderanlage, ebenso Lagerräume, Abfüllung,
Zubereitung und der Honigverkauf nicht zuletzt. Weitere Bausteine
sind die Biene, die Zucht, das Trachtangebot, die Organisation
des Betriebes sowie die Betriebsweise. Alle diese Bedingungen
bilden das Fundament einer erfolgreichen Imkerei.
Wir brauchen aber auch eine bestimmte Philosophie, wie wir unsere
Imkerei nach außen hin verkörpern. Honig ein gesundes Naturprodukt
und das müssen wir nach draußen transportieren.
Ca. 95.000 t Honig werden im Jahr in Deutschland verbraucht.
Die Eigenproduktion beträgt in Deutschland jedoch nur ca. 20 –
25. 000 t, das entspricht einer Eigenversorgung von ca. 25 %. Es
werden jedoch auch jährlich rund 90.000 t Honig nach Deutschland
importiert. Es ist also ein gewaltiger Überhang vorhanden. Unsere Bienen produzieren jedoch nicht nur den Honig. Sie bestäuben unsere landwirtschaftlichen Kulturen. Dies ist ein ganz wichtiger Faktor. Und dieser Stärke müssen wir als Imker bewußt
sein.

Die Bestäubungsarbeit unserer Bienen findet statt:

  • Im Obstanbau, Apfel, Birne, Kirsche usw.
  • In der Ölerzeugung Raps
  • und Sonnenblume
  • In der Saatzucht z.B. Klee
  • und Raps.


Durch die Bestäubung der Bienen erreichen die Landwirte einen
besseren Fruchtansatz und das bedeutet höhere Erträge für sie. Somit können die Imker auch Geld für diese Arbeit verlangen. Imkerei ist darüber hinaus auch aktiver Naturschutz: Unsere Bienen betreiben andschaftspflege
durch ihre Bestäubung. Dadurch erfolgt eine gute Befruchtung der
Wildpflanzen, was wiederum einen guten Fruchtansatz zur Folge
hat. Dies bildet folglich die Nahrungsgrundlage für unsere Wildtiere
im Winter. Viele Imker haben diese wichtigen Tatsachen eigentlich noch gar nicht begriffen. Unser Ziel muß es sein, diese wichtige Funktion der Imkerei
der gesamten Bevölkerung bewußt zu machen, indem wir immer wieder diese Botschaft an die Öffentlichkeit transportieren.
Eigentlich sollten wir diese Botschaft mit jedem verkauften Glas Honig weitergeben. Unser Betrieb Wir nutzen in unserem Betrieb ein Trachtangebot vom 15. April bis zum 20. September. In diesem
Zeitablauf werden bei uns folgende Sorten geerntet: Raps, Akazie, Klee, Linde, Edelkastanie, dann Wald- bzw. Tannenhonig und zuletzt Heidehonig. Darüber hinaus arbeiten unsere Bienen noch zur Bestäubung in der
Kleesaat (Prämie: EUR 60,00 pro Bienenvolk). Unser Betrieb ist somit eine Wanderimkerei.
Zum Raps wandern wir etwa 100 – 150 km von unserem Standort entfernt. Zur Akazientracht transportieren wir unsere Bienenvölker
rund 500 km weit in den Osten Deutschlands. Zur Edelkastanientracht und Waldb bzw. Tannentracht geht es nach Süddeutschland, rund 600 – 700 km entfernt. Die Tannentracht im Schwarzwald wird jedoch wegen der großen Entfernung nur angewandert, wenn diese Tracht nach Information von Kollegen ziemlich sicher ist. Eine wichtige Tracht für unsere Imkerei ist die
Heide. Die Heidetracht fängt in
der Regel am 10. August an und kann bis zum 20. September dauern.

Leistungsfähige Bienen
Um diese Trachten nutzen zu können brauchen wir eine Biene, die vomApril bis zum September eine gute Leistung erbringt. Sie muß große und starke Völker bilden. Sie muß winterhart sein und darf nicht klein aus dem Winter
kommen. Sie muß resistent gegen Krankheiten sein und einen möglichst hohen Ertrag bringen. Diese Punkte sind für unseren Betrieb sehr wichtig, weil unser Hauptgeschäft die Honigvermarktung ist. In der Vergangenheit
haben wir fast alle verschiedenen Bienen für unseren Betrieb ausprobiert. Wir haben aus Österreich die besten Stämme gehabt, wir haben die Ligustica gehabt, die Carpatica usw…
Letztendlich haben wir für unseren Betrieb die Buckfast aus dem Grund gewählt, weil sie für uns einfach am besten paßt und das lange Bienenjahr voll durchziehen kann. Unsere Zucht ist eingebettet in die Ablegerbildung. Während der Rapstracht werden sehr viele Ableger gebildet. Von unseren
600 Wirtschaftsvölkern werden gut 80% Ableger gebildet. So kommen wir im Sommer auf weit über 1.000 Völker, die im Herbst jedoch wieder zusammen geschmissen werden. Im letzten Drittel der Rapstracht entnehmen wir den Bienen geschlossene Brut. In eine Zarge geben wir 3 –
4 Brutwaben. Das Maß das wir verwenden ist Langstroth 2/3. Zwei Waben übereinander ergeben 1 Dadantwabe. Die Ableger werden mit schlupfreifen Zellen beweiselt. Um die Zucht besser im Griff zu haben, wird ein Teil der Königinnen auf einer Inselbelegstelle begattet.

Das Wanderfahrzeug
Zum Wandern benutzen wir einen LKW mit hydraulischem Ladekran und Anhänger. Auf das Gespann können wir maximal 104 Bienenvölker laden. Jeweils 4 Völker stehen auf 1 Palette. Diese Palette wird mit dem Ladekran
verladen. Der Kran hat eine Reichweite von 11 m und kann bei voller Auslegung noch 300 kg heben. Der gesamte Aufbau des LKW mit Hänger wurde speziell für unsere Bedürfnisse gebaut. Zum Verladen von diesen
104 Völkern wird mit 2 Personen etwa 1 Stunde benötigt. Das ganze geht ohne jeden Kraftaufwand von statten. Der Kran wird mit einer
Fernsteuerung per Joystick bedient. Alleine benötigt man etwa eine halbe Stunde länger. Bei der intensivenWanderung ist uns eine elektronische Waage mit Datenfernübertragung sehr hilfreich. Sie übermittelt uns über
große Entfernungen Daten wie Gewicht, Temperatur, Luftfeuchte und Niederschlagsmenge. Somit sind wir immer bestens informiert und können besser planen und vermeiden unnötige Fahrten zu den Bienenständen. Die
Übertragung der Daten geht über das Internet.

Honigernte
Das Abernten der Bienenvölker geschieht mit einem Blasgerät. Geschleudert wird mit einer großen Schleuderstrasse. Diese ist in einer großen Halle untergebracht. Die Schleuder faßt 100 Waben. Die Schleuderstrasse arbeitet vollautomatisch und kann zum Beispiel maximal 1 to Rapshonig pro Stunde verarbeiten. Das Entdeckelungswachs wird
mit einem Spinfloat vom Honig getrennt.

Die Abfüllung
Wir haben vor vielen Jahren eine komplette gebrauchte Abfüllanlage von der Firma Langnese erworben. Diese Abfüllanlage ist vollautomatisch und läuft und läuft. Sie ist einfach nicht kaputt zu kriegen. Die Gläser werden auf einem Band von 2 Kolbenfüllern befüllt, anschließend wird der Deckel aufgeschraubt und dann wird das Glas automatisch etikettiert.

Der Honigabsatz
Der Honigverkauf erfolgt bei uns zu Hause in einem kleinen Honiggeschäft (ca. 15%). Der ganze Honig wird im Glas des DIB vermarktet. Der größte Teil des Honigs wird an den Einzelhandel geliefert, das sind kleine Geschäfte
und Supermärkte wie z.B. EDEKA-Geschäfte. Wir gehen jedoch nicht an die großen Ketten, da sie zu schlechte Bedingungen bieten. Durch die persönliche Bindung zu den Einzelhändlern haben wir eine viel bessere
Möglichkeit unser Produkt abzusetzen.

Wolfgang Stöckmann, Kurzfassung eines Vortrages auf der Erwerbsimkertagung in Graz.


   
Autor: Biene Österreich Veröffentlichungsdatum: 10.03.2008 15:21




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