HONIG IM KOPF

Noch bevor das Thema Bienensterben in den Medien und durch große Unternehmen in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt wurde, hatten der aktuell 27-jährige Eishockeyprofi des EC Red Bull Salzburg Michael Schiechl und sein um fünf Jahre jüngerer Bruder Thomas aus Liebe zur Natur die Imkerei für sich entdeckt. So nahm vor gut sechs Jahren das Projekt „Hobbyimker“ mit zwei Bienenstöcken seinen Anfang und erlebte vor kurzer Zeit mit zwei Goldmedaillen seinen vorläufigen Höhepunkt.

"Bienen aktuell"  im Interview mit zwei Brüdern, Michael und Thomas Schiechl, die neben Eishockey meist nur das Thema "Honig" im Kopf haben.


Ihr seid beide leidenschaftliche Eishockeyspieler, Michael du bist Profi bei EC Red Bull Salzburg. Eis und Honig - wie kam es zur zweiten Leidenschaft?Ideales Umfeld für Bienen am Familienanwesen.

Michael: Das ergab sich eigentlich zufällig. Unsere Familie hat vor einigen Jahren zuhause in der Steirmark ein altes Anwesen auf gut 800 m Seehöhe mit großen Wiesen- und Waldflächen erworben. Dort haben wir auch viele Obstbäume und irgendwie ist uns das Thema Bienensterben dann untergekommen. Da wir dort einfach die Möglichkeit hatten, etwas dagegen zu tun und allgemein tierlieb und naturinteressiert sind, haben wir uns in das Abenteuer Imkerei gestürzt.

Wie hat das dann konkret begonnen?

Thomas: Wir haben uns eingelesen und dann einfach zwei Bienenstöcke besorgt und dachten, dass der Honig schon irgendwann fertig heraus kommen wird. Ganz so war es dann nicht, da kam dann viel Arbeit auf uns zu.

Michael: Wir kannten über drei Ecken einen alten Imker von dem wir selbst schon Honig gekauft hatten und von dem haben wir einiges übernommen, das hat uns den Anfang dann schon einmal erleichtert. Ausschlaggebend war auch die Lage bei uns, da in der Gegend kaum mit Pestiziden herum gespritzt wird und somit insgesamt sehr gute Lebensbedingungen für Bienen vorhanden waren und sind.

Gab es einen ausschlaggebenden Auslöser oder Gedanken, der euch schließlich zu Hobbyimkern gemacht hat?

Thomas: Ja, den gab es. Ältere Menschen erzählen oft, dass man früher rund um einen frisch blühenden Obstbaum noch lautes Summen der ganzen Bienen gehört hat. Wenn du heute unter einem Baum stehst der frisch blüht, dann hörst du fast nichts mehr.

Was waren dann eure ersten Schritte bzw. Erfahrungen?

Michael: Für uns war es vor allem spannend, aber auch arbeitsreich, zu sehen, dass Bienen viel Pflege brauchen. Unsere Carnica-Bienen wären ohne Pflege – nicht zuletzt durch die Varroamilbe – in absehbarer Zeit tot, insofern hat man auch als Hobbyimker eine durchaus verantwortungsvolle Aufgabe.

Thomas: Neben der Arbeit stand aber auch einfach die Freude im Vordergrund, dass man somit etwas gegen das Bienensterben und für die Umwelt tun kann.

Ist der mediale „Hype“ um das Bienensterben also nicht übertrieben sondern Realität?

Michael: Ja, das muss man auf jeden Fall ernst nehmen und die Situation der Bienen ist teilweise mehr als kritisch!

Nach den ersten Anfängen und viel Arbeit war es ja dann irgendwann soweit, dass ihr euren ersten Honig kosten durftet. Was war das für ein Gefühl?

Thomas: Als wir unseren ersten goldgelben Honig verkostet haben, war das schon ein ganz besonderes Gefühl!

Michael: Im Sommer kann man ihn dann zwar phasenweise nicht mehr sehen weil man so viel damit zu tun hat, aber der Gusto auf ein leckeres Honigbrot holt mich schnell wieder ein.

Nun konkret zu dir Michael. Nachdem du Eishockeyprofi in Salzburg bist, sind deine Zeitreserven sicherlich beschränkt.Was trägst du aktuell zur Bienenpflege bei bzw. was ist deine konkrete Rolle?

Michael: Nachdem die Bienen im Winter ohnehin meistens ruhen und weniger Arbeit machen und wir über den Sommer eine mehrwöchige Eishockeypause haben, geht es eigentlich ganz gut. Ich versuche auch an manchen spielfreien Wochenenden runter zu fahren, denn die Bienenpflege und der Familienbesuch sind natürlich auch ein wichtiger Kurzurlaub wo ich Energie tanken kann. Im Sommer packen wir vor allem beim Schleudern beide gemeinsam an und da ist man mit allen Arbeitsschritten ordentlich eingespannt.

Thomas: Ich habe mittlerweile mehr das Denken übernommen, Michael das Arbeiten. Welche Bedeutung hat so ein arbeitsintensives Hobby für dich als Profisportler?

Michael: Ich bin sehr gerne in der Natur und es ist ein guter Ausgleich zum Wintersport, vor allem weil es bei uns einfach auch schön ruhig ist und man richtig runter kommt. Außerdem müssen hier vorrangig die Bienen die Arbeit machen und ich kann einmal Bienen-Coach spielen.

Mittlerweile ist eure „Pflegefamilie“ auf gut 20 Stöcke angewachsen soweit ich weiß, wie schafft ihr die Arbeit heute noch?

Michael: Es ist tatsächlich viel Arbeit geworden und weiter wachsen wollen und können wir momentan nicht, es ist jetzt schon grenzwertig. Wir gewinnen momentan pro Jahr ca. 400 kg Honig und mehr macht als Hobby keinen Sinn. Die aktuelle Menge bringen wir aber gut weiter, vor allem bei meinen Teamkollegen ist der Honig hoch im Kurs.

 Ihr durftet Anfang Oktober erneut eine Auszeichnung für eure und die harte Arbeit der Bienen in Empfang nehmen, ist das richtig?

Thomas: Ja, wir haben bei der steirischen Honigprämierung des Landesverbands für Bienenzucht zwei Goldmedaillen für unseren Wald- und Cremehonig abgestaubt, nachdem wir 2014 schon Gold für den Blütenhonig bekommen hatten. Wegen den Auszeichnungen machen wir es zwar nicht, aber ein wenig stolz sind wir schon.

Gibt’s abschließend von eurer Seite noch eine Empfehlung oder Tipp für alle potentiellen Hobbyimker?

Michael: Man muss sich bewusst sein, welche Arbeit man hat und Verantwortung eingeht, ähnlich wie auch bei klassischen Haustieren. Wenn man es wirklich möchte dann wäre es gut, wenn man vorab irgendwo Schnuppern geht und sich das Arbeitsumfeld eine Zeit lang anschauen kann. Es ist auf jeden Fall eine erfüllende und sinnvolle Leidenschaft, also an sich sehr empfehlenswert!

Michael Schiechl ist Eishockey-Profi und Imker. Word-Rap Michael Schiechl:

  • Tee mit Honig oder Zucker? – Honig.
  • Auto oder Fahrrad? – In der Stadt das Fahrrad.
  • Glühwein oder Kinderpunsch? – Glühwein.
  • Familie ist für mich…? – Ein Ort, wo man sich gerne zurückzieht.
  • Meine Bienen bedeuten mir…? – Sehr viel, ein schöner Ausgleich und eine lustige Arbeit.
  • Kino oder Berg? – Berg.
  • Mit Red Bull verbinde ich…? – Bereits vier schöne Jahre und hoffentlich noch weitere Erfolge.

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4 schöne Jahre bei den Dosen in Salzburg? Das ist ja OK, aber:
Was ist mit den 4 Jahren seit 2012 bei den Caps?

Ich finde jedenfalls, dass das gelbe Leiberl besser zu den Bienen passt als die roten "Ochsen" aus Salzburg :)
Der Abgang von den Caps war jedenfalls ein Fehler, wo doch der Meistertitel heuer wieder nach Wien kommen wird und ich heuer selbst mit dem Imkern mit 3 Stöcken begonnen habe...

Liebe Grüße in die Steiermark
Caps Fan namens Löwe