Imker empfehlen Verbrauchern die „Faire Milch“, „Biene Maja“ freut sich über „Faironika“

Der Deutsche Berufs- und Erwerbsimkerbund unterstützt die neue
Milch, die sich nicht nur durch einen fairen Erzeugerpreis auszeichnet,
sondern auch ohne Gentechnik und mit hohem Wiesenfutter- und
Heuanteil produziert wird. Auch die Bienen sind von dieser Art der
Milchproduktion begeistert.

Schon in der Bibel wurde der Bezug zwischen Milch und Honig hergestellt. So versprach
Gott einst Moses, dass er sein Volk in ein Land führen werde, „darin Milch und Honig
fließt“ (2 Mo 33,3).
Die Milch fließt mittlerweile reichlich, ja sogar überreichlich, der Honig jedoch immer
spärlicher. Wo liegen die Ursachen? Nach dem Motto „Wachse oder weiche“ wurde
jahrzehntelang den Landwirten die Intensivierung der Milchproduktion propagiert. Daraus
resultierten gewaltige strukturelle Umwälzungen. Sehr viele landwirtschaftliche
Familienbetriebe wurden bereits Opfer dieser fehlgeleiteten Politik und falschen
Offizialberatung und viele weitere drohen auf der Strecke zu bleiben.
Auf der Basis industrieorientierter Qualitätsrichtlinien bekommen die Milchbauern nun
Weltmarktpreise für eine Weltmarktmilch. Das Ergebnis: Viele Milchbauern müssen
aufgeben oder stellen auf Biogasproduktion um. Riesige Maismonokulturlandschaften sind
mittlerweile entstanden. Mit einher geht eine Auslaugung der Böden, eine
unwiederbringliche Abtragung der Bodenkrume sowie eine Verarmung der Flora. Experten
belegen und beklagen bei dieser landwirtschaftlichen Nutzung zudem einen
unwiederbringlichen Verlust an heimischer Fauna, insbesondere bei der Insektenwelt.
Die ruinösen Dumpingpreise für Milch und Butter gefährden mittlerweile aber auch die
Bewirtschaftung von Wiesen und Weiden. Im Grünlandbereich werden immer größere
Wiesenflächen umgebrochen und in Maismonokulturen zur Erzeugung von Kraftfutter
umgewandelt.
Grüne Wüste und Ernteschock
Zwei weitere Phänomene kommen hier noch erschwerend hinzu. Die Löwenzahnwiesen
im Voralpenland und Allgäu werden innerhalb weniger Tage abgemäht. Damit einher
erfolgen massive Verluste von Flugbienen, die in den rotierenden Messern der
Kreiselmäher kaum eine Chance haben zu entkommen. Neben diesen Verlusten erfolgt für
die Bienenvölker ein sogenannter „Ernteschock“, da nach dem Mähen von
Löwenzahnwiesen meist keine weiteren Nahrungsquellen zur Verfügung stehen. Viele
Imker klagen bereits über die „grüne Wüste“ ohne Blüten. In einschlägigen Kreisen spricht
man mittlerweile von einer Einheitswiese „BayWa“ – weil hier in den letzten Jahrzehnten
Wiesen entstanden sind, die nur noch aus speziell selektierten und gezüchteten Gräsern
bestehen und diese Wiesen ohne Wild- und Heilkräuter kaum noch zum blühen kommen –
6 bis 7 Schnitte jährlich für die Silagegewinnung sind hier die Regel. Dadurch wird unsere
Natur- und Kulturlandschaft immer ärmer – darunter leiden auch die Imker mit ihren
Bienen und andere Insekten.
„Ohne Gentechnik“ wichtig für Imkerkollegen in Südamerika
Auch in den Anbauregionen des importierten Gen-Sojas leiden die Imker unter der
beispiellosen Agrarwüste, die bei der Anwendung von herbizidresistentem gentechnisch
veränderten Soja entsteht. Die Honigexporte des ehemaligen Weltmarktführers
Argentinien haben sich durch die Verdrängung der Bienen aus den traditionell
blütenreichen Trachtgebieten halbiert. Der Präsident des Argentinischen Imkerverbandes
richtete vor kurzem einen dringenden Appell an uns Europäer, endlich die Nachfrage nach
Gen-Soja einzuschränken um eine weitere Zerstörung der Lebensgrundlangen und der
Biodiversität zu verhindern.
Mengensteuerung durch Abrüstung
Als Imker können wir nicht gleichgültig mitansehen, was in der Milchwirtschaft passiert.
Der Deutsche Berufs- und Erwerbsimkerbund zusammen mit der Fachberatung für Imkerei
des Bezirks Oberbayern ist deshalb mit dem Vorschlag auf die Milchbauern zugegangen,
die Menge durch „Abrüstung“ in der Betriebsweise der Nachfrage anzupassen und
gleichzeitig die primären und sekundären Qualitätsmerkmale zu fördern.
Dahinter steht der freiwillige Verzicht auf intensive Produktionsmethoden. Dadurch sinken
nicht nur die Milchmengen, sondern auch die Kosten – allerdings bei steigender
Milchqualität für den Verbraucher and vielen Vorteilen für die Kulturlandschaft.
In mehreren Gesprächen am „Runden Tisch“, an denen sich auch der Bund Naturschutz,
Verbraucherverbände und andere Organisationen beteiligten, konnten die Vertreter der
Imker ihre Vorstellungen präsentieren und in die Erzeugungsrichtlinien einbringen.
„Gerade der Verzicht auf hohe Kraftfutteranteile aus Soja- und Maisanbau, die
Verlängerung der Blühzeiten bei Wiesen und Weiden, die besondere Fütterung mit Heu,
Gräsern und Kräutern und zuletzt die Verpflichtung der Landwirte für eine gentechnikfreie
Fütterung, kommt den Interessen der Imker und ihren Bienen besonders entgegen“, erklärt
der Fachberater für Imkerei des Bezirks Oberbayern, Arno Bruder.
Da viele der beschriebenen Probleme für die Imker durch eine extensive Betriebsweise
vermeidbar sind, unterstützen der Deutsche Berufs- und Erwerbsimkerbund und die
Imkereifachberatung des Bezirks Oberbayern die Initiative des MVS und des BDM für eine
„faire Milch“. Der Präsident des Präsident des DBIB, Manfred Hederer, sagte dazu,
„Dieses Projekt hat Modellcharakter für eine andere Prioritätensetzung in der
Landwirtschaft. Wir werden mit unseren Mitgliedern aktiv für diese bienenfreundliche Milch
werben.“ Der DBIB ruft die mehr als 80,000 deutschen Imkerfamilien und die vielen
Honigkunden dazu auf, die „Faire Milch“ nachzufragen, damit auch künftig die Existenz
der Bienen und damit ein Land, wo Milch und Honig fließen, gesichert ist.
Mehr Infos unter:

 

www.die-faire-milch.de
Für Rückfragen: Manfred Hederer, Präsident des DBIB
Tel.: 0049(0)172 8206459