Wissenschaftler suchen neue Ansätze zur nachhaltigen Bekämpfung der Varroamilbe

Forschung zur Entwicklung einer nachhaltigen Bekämpfung der Varroa Milbe.

Schweiz: - Wissenschaftler aus aller Welt haben sich in Magglingen getroffen, um neue Forschungsansätze zur Bekämpfung der Varroamilbe zu evaluieren. Die parasitische Milbe Varroa destructor ist die größte Bedrohung der westlichen Honigbiene.Erstmals seit der Verbreitung der Varroamilbe in Europa vor 30 Jahren ist es gelungen, alle weltweit an diesem Problem arbeitenden Experten zusammenzubringen. Frau Nationalrätin Brigitta Gadient eröffnete am 2. November 2010 den Varroa-Workshop des Zentrums für Bienenforschung der Forschungsanstalt Agroscope Liebefeld-Posieux ALP in Magglingen. Sie hatte bereits 2004 die Bedeutung der Bienen zur Sicherung der Bestäubung erkannt und eine Motion zur Förderung der Honigbienen eingereicht.

Eine Motion, um Bienenzucht zu unterstützen
Aufgrund der im Jahr 2006 vom Parlament angenommenen Motion Gadient wurde die Unterstützung der Bienenzucht im Landwirtschaftsgesetz verankert. In der Eröffnung betonte die Nationalrätin die dringende Notwendigkeit, die Forschung zur Entwicklung einer nachhaltigen Bekämpfung der Varroa Milbe voran zu treiben da diese ein Schlüsselfaktor der jährlich auftretenden Verluste von Bienenvölkern ist. Nationalrätin Gadient erkannte den dringenden Forschungsbedarf zur Bekämpfung der Varroa Milbe – ein kleiner Parasit der Honigbiene, der die Schlüsselrolle bei jährlichen Völkerverlusten hat. Nach 30 Jahren Varroa-Forschung haben die Wissenschaftler der ersten Stunde (zum Teil im Ruhestand) zusammen mit den jungen Kollegen aus allen namhaften Forschungsinstituten den Stand der Forschung evaluiert und gemeinsam neue Ansätze zur Bekämpfung der Milbe identifiziert. Künftig will man die Forschung durch Kooperationen signifikant beschleunigen. Ermöglicht wurde der Workshop durch das von COST (finanzierte Forschungsnetzwerk COLOSS (Prevention of honey bee COlony LOSSes).

Neue Erkenntnisse in der Biologie
Drei Jahrzehnte Forschung und Entwicklung zur Bekämpfung der Milbe haben bis heute nicht die erhoffte Lösung des Problems gebracht. Neue Erkenntnisse in der Biologie von Parasit und Wirt eröffnen heute aber neue Forschungsansätze, welche optimistisch stimmen.
 
Die Bekämpfung optimieren
Die Wissenschaftler haben gemeinsam die erfolgversprechendsten Forschungsansätze definiert und aufgrund der Dringlichkeit des Varroa Problems ein strategisches Vorgehen geplant. Kurzfristiges Ziel der Forschung ist es, rasch neue Substanzen zur chemischen Bekämpfung zu entwickeln sowie die Applikation bekannter Substanzen zu optimieren.

Natürliche Antagonisten suchen
Langfristige Forschungsansätze zielen auf eine nachhaltige Lösung des Varroa-Problems. Die Priorität der Forschung wird hierzu auf die biologische Bekämpfung der Milbe durch natürliche Antagonisten wie pathogene Pilze gesetzt. Des Weiteren sind sich die Experten einig, dass noch viele wesentliche Fragen zum Verständnis der Reproduktion der Milbe offen sind. Dies ist von besonderer Bedeutung, da hier ein sehr erfolgversprechender Ansatz für eine weitere biologische Bekämpfungsmethode besteht. Für all diese nachhaltigen Lösungsansätze des Varroa-Problems ist ohne Zweifel ein interdisziplinäres Forschungsprojekt über einen längeren Zeitraum erforderlich.

Varroatolerante Bienen
Die Zucht varroatoleranter Bienen wurde hingegen aufgrund des derzeitigen Stands der Forschung zumindest mittelfristig als utopisches Ziel etwas in den Hintergrund gestellt. Vom Workshop konnte man natürlich nicht die sofortige Lösung des Varroaproblems erwarten. Es wurde aber ein gezieltes und konzertiertes Vorgehen der weltweiten Forschung vereinbart und da sind sich die Teilnehmer einig: Dies ist ein großer Fortschritt und Erfolg.

Schweizer Zentrum für Bienenforschung
Forschungsanstalt Agroscope Liebefeld-Posieux ALP
Jochen Pflugfelder
Schwarzenburgstrasse 161
CH - 3003 Bern
Tel. (0041)031323 82 12
Natel: (0041)0762177008
E-Mail: jochen [dot] pflugfelder [at] alp [dot] admin [dot] ch

Medienmitteilung, 8. November 2010