Bericht der AGES: Projekt MELISSA 2010

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Konrad
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Bericht der AGES: Projekt MELISSA 2010

Zitat:
Im Jahr 2010 wurden dem Institut für Bienenkunde für den Zeitraum zwischen Auswinterung und Berichtsstichtag (15.11.2010) aus 76 Imkereibetrieben Vergiftungsverdachtsfälle gemeldet. Die betroffenen 98 Bienenstände verteilten sich auf 7 Bundesländer. Die Mehrzahl der Imker vermutete einen Zusammenhang mit dem Maisanbau, aber auch mit einem Pflanzenschutzmitteleinsatz in anderen Kulturen (z.B. Raps, Obst, Wein).
Von den Vergiftungsverdachtsfällen waren nicht alle Bundesländer bzw. Bezirke mit Maisanbau gleichermaßen betroffen. Vielmehr zeigte sich ein regional gehäuftes bzw. auch vereinzeltes Auftreten.
Die Symptome an den betroffenen Bienenvölkern zur Zeit der Maisaussaat ähnelten denen des Vorjahres, auch gab es wieder ein zeitliches Zusammentreffen zwischen dem Auftreten der ersten Symptome und der Periode des Maisanbaues. Auffällig waren im Jahr 2010 vermehrt vorgebrachte Meldungen über flugunfähige Krabbler, die in vielen Fällen erst nach der Maisaussaat über einen gewissen Zeitraum aufgetreten waren.
Im Jahr 2010 war das Ausmaß der Bienenverluste - laut Aussagen von in beiden Versuchsjahren betroffenen Imkern - in der Regel geringer und die Dauer der Symptome kürzer als im Jahr 2009. Es gab allerdings auch Ausnahmen in Form von 2010 erstmals und stark betroffenen Imkereibetrieben.
Die Untersuchung des Bienentotenfalles auf Krankheitserreger und Parasiten erbrachte nur in einem Teil der Proben einen positiven Nachweis. Für die Fälle mit positivem Rückstandsnachweis lässt sich daraus kein kausaler Zusammenhang mit dem beobachteten Symptombild an den geschädigten Bienenvölkern ableiten. In den Fällen mit negativem Rückstandsnachweis war in Bienenproben das Sackbrutvirus signifikant häufiger nachweisbar als in Fällen mit positivem Rückstandsnachweis. Dieser Befund kann als Hinweis auf eine mögliche Beteiligung dieses Virus an dem erhöhten Bienentotenfall interpretiert werden.

Die Rückstandsuntersuchungen an Bienen, Pflanzen und Bienenbrot erfolgten wie im Vorjahr wieder mit den gleichen Methoden, Nachweis- und Bestimmungsgrenzen auf die insektiziden Beizmittelwirkstoffe Clothianidin, Thiamethoxam, Imidacloprid, Fipronil und den Metaboliten Fipronil-sulfone. Befanden sich im Flugkreis der Stände mit Vergiftungsverdacht noch andere landwirtschaftliche Kulturen (Raps, Obst, Kartoffeln), die als mögliche Kontaminationsquellen in Frage gekommen waren, erfolgte zusätzlich ein Screening auf „sonstige Pflanzenschutzmittel“ mittels einer LC/MS/MS-gestützten Multimethode (229 erfasste Analyte).

Bei den 89 untersuchten Bienenproben war Clothianidin in 51 %, Thiamethoxam in 23 %, Fipronil in 14 % und Fipronil-sulfone in 9 % der Proben nachweisbar. Imidacloprid war in keiner Probe nachweisbar.

62 Bienenproben wurden auf „Sonstige Pflanzenschutzmittel“ untersucht. Bei 47 Proben erbrachte das Screening keinen positiven Nachweis. In 2 Proben waren bienengefährliche Insektizide (Chlorpyrifos, Phosalone) nachweisbar, in einer weiteren Probe der „Synergist“ Piperonylbutoxid, der als Indikator für den Einsatz eines Pyrethrumpräparates dienen kann.

2010 wurden 17 Pflanzenproben aus dem Umfeld von Maisfeldern auf insektizide Saatgutbeizmittel untersucht. Clothianidin war in 35 %, Thiamethoxam in 18 % und Imidacloprid in 18 % der Proben nachweisbar. Fipronil und Fipronil-sulfone waren in keiner Pflanzenprobe nachweisbar.
10 Pflanzenproben wurden auf „Sonstige Pflanzenschutzmittel“ untersucht. Bei 3 Proben erbrachte das Screening keinen positiven Nachweis. In 5 Proben waren bienengefährliche Insektizide nachweisbar. Darunter befand sich eine Probe mit 4 bienengefährlichen Insektiziden aus den Gruppen der Phosphorsäureester und Pyrethroide.

In 34 nach dem Maisanbau bzw. 19 nach der Maisblüte entnommenen Bienenbrot-Sammelproben aus Ständen mit Vergiftungsverdacht war Clothianidin in 74 % bzw. 37 %, Thiamethoxam in 24 % bzw. 16 % und Imidacloprid in 3 % bzw. 11 % der Proben nachweisbar. Fipronil bzw. Fipronil-sulfone waren in keiner Bienenbrotprobe nachweisbar.
In 18 nach dem Maisanbau aus Ständen ohne Vergiftungsverdacht entnommenen Bienenbrot-Sammelproben war Clothianidin in 33 % und Thiamethoxam in 11 % der Proben nachweisbar. Imidacloprid, Fipronil und Fipronil-sulfone waren in keiner Probe nachweisbar.
10 Bienenbrotproben wurden auf „Sonstige Pflanzenschutzmittel“ untersucht. Bei 1 Probe erbrachte das Screening keinen positiven Nachweis. In 3 Proben waren bienengefährliche Insektizide (Chlorpyrifos, Chlorpyrifos-methyl, Chlorfenvinphos) nachweisbar.
Der Anteil mit insektiziden Beizmittelrückständen kontaminierter Proben von Bienenbrot war auf den Ständen mit Vergiftungsverdacht höher als auf den Ständen ohne Vergiftungsverdacht.

Bis zum Berichtsstichtag wurden am Kompetenzzentrum Rückstandsanalytik der AGES 62 Schleuderhonigproben auf Neonicotinoide untersucht. 13 dieser Proben stammten aus dem Projekt MELISSA von Ständen mit Vergiftungsverdacht, die übrigen 49 Proben aus der routinemäßigen Lebensmittelkontrolle.
In keiner Probe waren Rückstände neonicotinoider Saatgutbeizmittel (Clothianidin, Thiamethoxam, Imidacloprid) nachweisbar. Methode: LC-MS/MS (NG: 0,6 µg/kg; BG: 2,0 µg/kg)

Aus den regional sehr unterschiedlichen Rücklaufquoten und den oft fehlenden Antworten auf Fragen, die im Rahmen der freiwilligen Fragebogenaktion zu den Anbaubedingungen bzw. zum verwendeten Saatgut von Mais und Ölkürbis an Landwirte in der Umgebung von Bienenständen mit positivem Rückstandsnachweis gestellt worden waren, lässt sich der Schluss ziehen, dass vielerorts durchaus noch weiteres Optimierungspotenzial in Bezug auf die Aussaatpraxis (z.B. Sämaschinenausrüstung mit Deflektoren, Einhaltung der Zulassungsauflagen hinsichtlich Aussaatbedingungen bei Wind bzw. Vermeidung einer Kontamination von blühenden Nachbarkulturen) besteht.
Die Überprüfung der Abriebwerte von Mais-Saatgut an Proben aus der Saatgutüberwachung und Saatgutkontrolle der Anbausaison 2010 ergab in allen 23 untersuchten Proben eine deutliche Unterschreitung des Grenzwertes von 0,75 g / 100.000 Korn.
Mit der Verlängerung des Projektes MELISSA bis 31.1.2012 steht ein weiteres Anbaujahr zur Verfügung, um die risikomindernden Auflagen in die Praxis umzusetzen und deren Wirksamkeit zu evaluieren.

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