Wanderimkerei - pro und contra

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Reinhard
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Wanderimkerei - pro und contra

Nachdem im Thread über "rent a bee" das Thema Wanderimkerei andiskutiert wurde, eröffne ich hier einen eigenen Thread darüber.

 

Reden wir darüber, was pro und was contra Wanderimkerei spricht. Damit ist sogar ein weiter Bogen zu spannen bis hin zu Königinnenversand und Transport von Begattunngskasterln, wenn man JEDES Verbringen von Bienen als Wanderung bezeichnen möchte.

 

Meine persönliche Erfahrung dabei liegt nicht in der Wanderung zur Ertragssteigerung oder überhaupt zur Anwanderung einer Tracht, sondern im Transport von Völkern einerseits früher einmal zum Kauf, als auch jetzt zum Verkauf bzw. Verschenken.

 

Ich kann nur sagen, dass ein behutsames Handling den Bienenvölkern nichts ausmacht, sie verhalten sich ganz ruhig und friedlich.

Bienengerecht ist es jedenfalls, wenn man behutsam damit umgeht - bis auf das Neueinfliegen in einer neuen Umgebung. Das ist allerdings nach einer Stunde erledigt.

 

Ich rede hier von einigen Völkern, die abends nach dem Flug über vlt. eine bis zwei Stunden transportiert werden , Wanderungen über 1000-e km auf einem LKW wie in den USA, ziehe ich hier nicht als Diskussionsgrundlage heran.

 

Ob Käfigen der Königin zur Brutfreiheit, Abkehren der Bienen auf Mittelwände samt Brutentnahme und Königinnenversand in einem Käfig im Kuvert über 2 Tage und mehr bienengerechter sind, lasse ich jedem Einzelnen über, das zu beurteilen.

Pfiati, Reinhard

Bienenbauer
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Re: Wanderimkerei - pro und contra

Unsere Bienenvölker kann man nach dem Transport im Regelfall ohne Stichschutz öffnen und die Honigräume aufsetzen! Ich würde annehmen, dass sich gestresste und gequälte Bienenvölker anders darstellen. 

LG

JB

BHei
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Re: Wanderimkerei - pro und contra

Solange wir keine aktuelleren bzw. brennenderen Themen bzw. Sorgen haben, gehts uns eh gut, würde ich sagen. Sachgerecht durchgeführte Wanderung hat sich über Jahrzenhte (Jahrhunderte) bewährt; etwaige Konflikte mit Standimkern regeln die Bienengesetze der Bundesländer. Wo ist wirklich ein Problem?

 

vG

Berthold

Sommerbiene
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Re: Wanderimkerei - pro und contra

BHei schrieb:

Sachgerecht durchgeführte Wanderung hat sich über Jahrzenhte (Jahrhunderte) bewährt ... Wo ist wirklich ein Problem?

Mittlerweile wurde die Bucklkraxn durch den Lastkraftwagen ersetzt. Die sachgerecht durchgeführte Wanderung hat sich seit Jahrzehnten also maximal ertragsmäßig bzw. finanziell bewährt. Was ist übrigens eine sachgerechte Wanderung? Vorschriftsmäßige Beladung des Transportfahrzeuges? Einhaltung der Straßenverkehrsordnung?

 

Bienen sind Lebewesen, keine Sache. Für den Erwerbsimker werden sie zum Material. Ich bin froh, kein Erwerbsimker zu sein und muss mir nichts schönreden. Ich darf auf mein Gewissen horchen und muss nicht fürchten, dadurch Ertragseinbußen zu erleiden. Ich kann es mir leisten, Wanderungen abzulehnen, weil es mir zu anstrengend ist und ich vor allem der Ansicht bin, dass Bienen dadurch Stress erleiden. Sehe ich mir die Entwicklung der Landwirtschaft und der Tierhaltung an, bin ich heilfroh, kein Landwirt zu sein, sondern ausschließlich Hobbytierhaltung zu betreiben.

 

Wo ist wirklich ein Problem, fragst Du? Ich habe kein Problem.

 

 

 

 

Grüße von der Sommerbiene.

Reinhard
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Re: Wanderimkerei - pro und contra

Sommerbiene schrieb:

BHei schrieb:

Sachgerecht durchgeführte Wanderung hat sich über Jahrzenhte (Jahrhunderte) bewährt ... Wo ist wirklich ein Problem?

Mittlerweile wurde die Bucklkraxn durch den Lastkraftwagen ersetzt. Die sachgerecht durchgeführte Wanderung hat sich seit Jahrzehnten also maximal ertragsmäßig bzw. finanziell bewährt. Was ist übrigens eine sachgerechte Wanderung? Vorschriftsmäßige Beladung des Transportfahrzeuges? Einhaltung der Straßenverkehrsordnung?

 

Bienen sind Lebewesen, keine Sache. Für den Erwerbsimker werden sie zum Material. Ich bin froh, kein Erwerbsimker zu sein und muss mir nichts schönreden. Ich darf auf mein Gewissen horchen und muss nicht fürchten, dadurch Ertragseinbußen zu erleiden. Ich kann es mir leisten, Wanderungen abzulehnen, weil es mir zu anstrengend ist und ich vor allem der Ansicht bin, dass Bienen dadurch Stress erleiden. Sehe ich mir die Entwicklung der Landwirtschaft und der Tierhaltung an, bin ich heilfroh, kein Landwirt zu sein, sondern ausschließlich Hobbytierhaltung zu betreiben.

 

Wo ist wirklich ein Problem, fragst Du? Ich habe kein Problem.

 

 

 

 

So hat jedes Ding 2 Seiten, Hannes. Ich bin auch froh, nicht mit meinen Bienen auf Wanderschaft gehen zu müssen. Das ist bienenschonend UND auch imkerschonend.

 

Buglkraxntragen der Stöcke war sicher stressiger für die Bienen als der jetztige Transport mit einem PKW.

 

"Bienen sind Lebewesen, keine Sache"

Trotzdem sperrst du deine Königinnen für Wochen in einen Käfig um Brutfreiheit zu erlangen - und hier berufst du dich auch auf die Erfahrungen der Erwerbsimker und handelst wie sie.

Von etwa 2000 Eiern, die pro Tag gelegt werden, fährst du damit auf Null innerhalb weniger Minuten. Wie stressfrei das für die Königin ist, kann man sich ausmalen.

Sämtliche Ammenbienen sind damit auch Ihrer jeweiligen Lebensabschnittsaufgabe beraubt und die ganze Situation erzeugt im Stock sicherlich über Wochen Stress! Das Volk hat zwar den Geruch der Königin, weiß aber nicht, ob sie nicht doch krank oder dergleichen ist, weil keinerlei Nachwuchs neuer Bienen aufkommt.

 

Auch das ist absolut nicht bienenschonend.

 

Ob eine Stunde etwas Rütteln und dann neu einfliegen für die Bienen weniger Stress bedeutet, sei dahingestellt.

 

Es kommt halt immer darauf an, von welchem Standpunkt aus man das jeweilige Thema betrachtet.

Pfiati, Reinhard

 

Sommerbiene
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Re: Wanderimkerei - pro und contra

Reinhard schrieb:

"Bienen sind Lebewesen, keine Sache"

Trotzdem sperrst du deine Königinnen für Wochen in einen Käfig um Brutfreiheit zu erlangen - und hier berufst du dich auch auf die Erfahrungen der Erwerbsimker und handelst wie sie.

 

Nicht trotzdem. Eben deswegen.

 

Ich berufe mich einzig und allein auf das positive Resultat: Die deutliche Reduktion von Säurebelastungen sowie die verbesserte Überwinterungschance für den Bien. Mein Ziel hier ist einzig, den Bienen das Überleben zu sichern. Ich denke, der Zweck legitimiert hier die Mittel. Die gute Überwinterung gibt mir bisher recht.

 

Ja, Reinhard, es kommt drauf an, von welchem Standpunkt man das Thema betrachtet. Mein Tun hat nichts mit persönlicher Bereicherung und Ertragssteigerung zu tun, Dein Vergleich hinkt daher.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Grüße von der Sommerbiene.

Bienenbauer
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Re: Wanderimkerei - pro und contra

Wer bereichert sich persönlich?

Stirnrunzelnd

BG JB

Noldi
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Re: Wanderimkerei - pro und contra

Sommerbiene, wenn man in einer Gegend imkert, in der der Nektar im Überfluss fließt, redet es sich leicht. Wenn man aber in einer Gegend imkert, in der du in einigen Jahren die Völker nach einer mikrigen Frühtracht füttern musst (Trachtlückenfütterung bei der Carnica ist nicht umsonst in vielen Gegenden bekannt ...) schaut es anders aus. Vor allem wenn man einen Vergleich hat und sieht wie viel besser gewanderte Völker (damit auch gesünder, vitaler, ...) dastehen. Wanderimkerei ist nichts verwerfliches, nichts bienenwidriges. Ganz im Gegenteil!

Sommerbiene
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Re: Wanderimkerei - pro und contra

Noldi schrieb:

Sommerbiene, wenn man in einer Gegend imkert, in der der Nektar im Überfluss fließt, redet es sich leicht.

 

Mag sein, dass Du recht hast. Trachtlückenfütterung kenn ich nicht.

 

Grüße von der Sommerbiene.

Reinhard
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Re: Wanderimkerei - pro und contra

Sommerbiene schrieb:

 

 

Ja, Reinhard, es kommt drauf an, von welchem Standpunkt man das Thema betrachtet. Mein Tun hat nichts mit persönlicher Bereicherung und Ertragssteigerung zu tun, Dein Vergleich hinkt daher.

 

Ertragssteigerung - darum ist es auch gar nicht gegangen, Hannes. Sondern einzig um den Stress, den Imker, aus welchen Beweggründen auch immer, den Bienen antun. Wie du im Beitrag von Noldi liest, kann Wandern zu einer Tracht (oder stattdessen das Lückenfüttern) auch das Überleben des Biens ermöglichen - und insofern ist der Vergleich genau passend.

Pfiati, Reinhard

 

Astacus
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Re: Wanderimkerei - pro und contra

Reinhard schrieb:

Ertragssteigerung - darum ist es auch gar nicht gegangen, Hannes. Sondern einzig um den Stress, den Imker, aus welchen Beweggründen auch immer, den Bienen antun. Wie du im Beitrag von Noldi liest, kann Wandern zu einer Tracht (oder stattdessen das Lückenfüttern) auch das Überleben des Biens ermöglichen - und insofern ist der Vergleich genau passend.

 

@Reinhard,

 

wenn man jetzt "wandert" um überhaupt erst das Überleben des Biens zu ermöglichen, heißt dies dann nicht im Umkehrschluß, daß man eine deutlich zu hohe Völkerdichte an einem Platz hält, als es von Natur aus möglich wäre. 

 

Persönlich stört mich das Wandern überhaupt nicht, solange bestehende Gesetze eingehalten werden. Ich sehe es an meinen Ablegern immer wieder, wie schnell die Bienen sich in neuen Umgebungen einfliegen.

Unsere Bienen sind sehr anpassungsfähig und bei den Wanderimker, die ich persönlich kenne, kann ich keine Quälerei erkennen, die Bienenstöcke stellen ja deren Kapital dar und darauf wird ja besonders geschaut.

Man hat halt immer die amerikanischen Bienentrucks im Kopf, wenn man ans Wandern denkt.

 

Gruß

Hans Peter

 

Noldi
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Re: Wanderimkerei - pro und contra

Wir leben  nicht mehr in einer Naturlandschaft, sondern einer Kulturlandschaft. Einer von Menschen geprägten und industriell bearbeiteten Landschaft. Städte sind keine Naturlandschaft. 5-6 mal die Wiese für die Kühe zu mähen hat nicbts mit Nafur zu tun. Fichtenmonokulturen detto. Wegspritzen der Himbeeren im Wald auch nicbg  ...

 

Trachtlückenfütterung wird bereits in weit über 100 Jahre alter Literatur beschrieben und zwar im Zusammenhang mit dem Brutrhythmus von Carnica bei Trachtlücken um die Trachtfähigkeit aufrecht zu erhalten. Da gehts nicht unbedingt ums verhungern.

Sommerbiene
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Re: Wanderimkerei - pro und contra

Reinhard schrieb:

Ertragssteigerung - darum ist es auch gar nicht gegangen, Hannes. 

Darum geht es beim Wandern, Reinhard.

 

Du meinst sinngemäß, ich dürfte dann auch nicht die Königin käfigen, wenn ich den Bienen keinen Stress antun will. Du vergleichst allerdings (möglichen) Stress des Wanderns mit dem Stress durch Varroavorsorge und Behandlung. Meines Erachtens ein unzulässiger Vergleich.

 

Denn vom einen profitiert der Imker, vom anderen allerdings der Bien.

 

Dass wir Bienen mit Ameisensäure stressen und schädigen, ist zumindest unbestritten. Was wir nicht klären können: Ist Stress durch Käfigen nachhaltiger oder Stress bzw. Schädigung durch Ameisensäurebehandlung.

 

Ich sehe, dass ich mit meiner Meinung hinsichtlich Wandern eher eine Ausnahme bin. Das ändert nichts daran, dass ich es für mich weiter ablehne. Oder auf Bienenbäurisch übersetzt:

 

Ich hasse es Zwinkernd

 

 

 

 

Grüße von der Sommerbiene.

Sommerbiene
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Re: Wanderimkerei - pro und contra

Astacus schrieb:

wenn man jetzt "wandert" um überhaupt erst das Überleben des Biens zu ermöglichen, heißt dies dann nicht im Umkehrschluß, daß man eine deutlich zu hohe Völkerdichte an einem Platz hält, als es von Natur aus möglich wäre. 

Ich gebe zu, bisher nicht davon gehört zu haben, dass jemand wandert, um dem Bien das Überleben zu sichern. Bsiher habe ich nur mit Wanderern gesprochen, die von einer deutlichen Ertragssteigerung berichteten.

 

Grüße von der Sommerbiene.

Reinhard
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Re: Wanderimkerei - pro und contra

Sommerbiene schrieb:

 

 

 

Du meinst sinngemäß, ich dürfte dann auch nicht die Königin käfigen, wenn ich den Bienen keinen Stress antun will. Du vergleichst allerdings (möglichen) Stress des Wanderns mit dem Stress durch Varroavorsorge und Behandlung. Meines Erachtens ein unzulässiger Vergleich.

 

Es geht einzig allein darum, dass Imker den Bienen Stress zuführen, womit auch immer.

Beim Wandern durch (mögliche) Ertragssteigerung und beim Käfigen durch eine Varroabehandlung.

 

Ob der Vergleich dieser beiden Stresssituationen jetzt für DICH zulässig ist ist dabei sekundär.

 

 

 

Pfiati, Reinhard

 

Reinhard
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Re: Wanderimkerei - pro und contra

Noldi schrieb:

Wir leben  nicht mehr in einer Naturlandschaft, sondern einer Kulturlandschaft. Einer von Menschen geprägten und industriell bearbeiteten Landschaft. Städte sind keine Naturlandschaft. 5-6 mal die Wiese für die Kühe zu mähen hat nicbts mit Nafur zu tun. Fichtenmonokulturen detto. Wegspritzen der Himbeeren im Wald auch nicbg 

Ja, DAS ist auch ein Beweggrund fürs Wandern, wie ich von einigen Imkern erfahren habe. Nach der Obstbaumblüte und dem Löwenzahn ist dann Schluss mit lustig. Durch das ständige Mähen gibt es keine Sommerblumen mehr auf den Wiesen für die Bienen.

Diese Imker wandern dann, um überhaupt noch eine Ernte zu erhalten, dann ansonsten würden die 10 bis 15 Kilo Honig aus der Frühlingstracht nur für die Bienen reichen - und das bei schlechtem Wetter auch manchmal nicht einmal.

Somit geht es gewissermaßen auch ums Überleben der Vöker laut deren Ausführungen.

Pfiati, Reinhard

 

Sommerbiene
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Re: Wanderimkerei - pro und contra

Reinhard schrieb:

...Trotzdem sperrst du deine Königinnen für Wochen in einen Käfig um Brutfreiheit zu erlangen ...

 

Whatsaboutism würde man in Kaisermühlen sagen Lächelnd

 

 

Grüße von der Sommerbiene.

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Re: Wanderimkerei - pro und contra

Reinhard schrieb:

... Somit geht es gewissermaßen auch ums Überleben der Vöker laut deren Ausführungen ...

 

Der Imker stellt also seine Bienen in ein Gebiet, das sie nicht ausreichend für Nahrung versorgen kann, um dann einen Platz anzuwandern, der ausreichend für Nahrung sorgt. Womit wir wieder bei der Standortverantwortung des Imkers wären:

 

https://www.bienenjournal.de/aktuelles/meldungen/wandern-stresst-die-bie...

 

Grüße von der Sommerbiene.

Noldi
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Re: Wanderimkerei - pro und contra

Da finde ich die Königin über Wochen käfigen für deutlich belastender für den Bien. 

Reinhard
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Re: Wanderimkerei - pro und contra

Sommerbiene schrieb:

Reinhard schrieb:

... Somit geht es gewissermaßen auch ums Überleben der Vöker laut deren Ausführungen ...

 

Der Imker stellt also seine Bienen in ein Gebiet, das sie nicht ausreichend für Nahrung versorgen kann, um dann einen Platz anzuwandern, der ausreichend für Nahrung sorgt. Womit wir wieder bei der Standortverantwortung des Imkers wären:

 

https://www.bienenjournal.de/aktuelles/meldungen/wandern-stresst-die-bie...

 

 

Aus diesem Bericht:

Allerdings gehen sie von den Wanderungen aus, die die Großimker in den USA mit ihren vielen tausenden Bienenvölkern zur Apfel- oder Mandelblüte unternehmen.

Pfiati, Reinhard

 

Sommerbiene
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Re: Wanderimkerei - pro und contra

Noldi schrieb:

Da finde ich die Königin über Wochen käfigen für deutlich belastender für den Bien. 

 

Mag sein, Noldi, dass Du das findest. Aber mit Verwendung dieses Argumentes wird Wandern nicht weniger Stress für den Bien. Wir alle können die Intensität der Belastung beim Wandern nur glauben oder vermuten, wissen tun wir es nicht mit Gewissheit.

 

Ich habe ja schon den Begriff Whatsaboutism erwähnt. Wie Du sicher weist, bezeichnet man als solche eine als unsachlich bekannte Gesprächstechnik, auf eine Anschuldigung mit einer Gegenanschuldigung zu antworten. Diese Technik hat sich bei den Sowjets einen Namen gemacht, auch der Herr Trump ist ein Spezialist darin ;-) Wenn ich also Wanderer quasi beschuldige, ihre Bienen zu stressen, ist es unsachlich und unangebracht, mit dem Gegenargument des Käfigens zu antworten. Im Übrigen sind es Äpfel und Birnen. Dann dürfte ja niemand mehr von uns das Wort Stress in den Mund nehmen, da ja die meisten mit Säuren ihre Bienen quälen. Jetzt wirst Du gleich sagen: Ameisensäure ist mehr Stress als Wandern ;-)

 

Und wenn Du meinst, dass Käfigen deutlich belastender ist als Wandern, formulierst Du damit gleichzeitig, dass Wandern ebenfalls belastend ist. Genau genommen weiß es jedoch niemand von uns, jeder glaubt halt irgend etwas. 

 

Wandern als eine Möglichkeit darzustellen, Trachtlücken zu vermeiden und dem Bienenvolk quasi eine gesunde Entwicklung zu ermöglichen, klingt für mich nicht stichhaltig. Oft auch nur ein Schönreden, das man irgendwann selbst glaubt. Der Imker hat meines Erachtens die Standortverantwortung. Wenn eine Gegend nichts oder nur alle paar Jahre was hergibt, sollte man dort keine Bienen hinstellen. Es mutet für mich lächerlich an zu sagen, jetzt muss ich wandern, um die gesunde Entwicklung meiner Völker zu fördern. Dann stellt sie halt woanders hin und macht Euch die Mühe, selber zu Euren Völkern zu "wandern"!

Dass Wandern in den USA nicht mit Wandern in unseren Breiten zu vergleichen ist, geht aus dem Bericht klar hervor und ist auch, wenn man ein wenig nachdenkt, völlig logisch. Danke Reinhard, dass Du Dir trotzdem die Mühe gemacht hast, diesen Satz zu kopieren.

Wandern ist Stress für Bienen. Das ist logisch, wenn man den gesunden Menschenverstand bemüht. Bienen können nicht wissen, warum ihr Zuhause ein bis fünfzehn Stunden durchgerüttelt wird. Ob man nun zur "Schonung" des Biens im Morgengrauen, eine halbe Stunde oder bis nach Süditalien wandert, macht meines Erachtens den Unterschied.

Die Summe aller Stressfaktoren für unseren Bien macht es aus, wie es ihm heute geht und wie es um ihn bestellt ist. 

 

 

 

 

Grüße von der Sommerbiene.

beenocchio
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Re: Wanderimkerei - pro und contra

Sommerbiene schrieb:

Die Summe aller Stressfaktoren für unseren Bien macht es aus, wie es ihm heute geht und wie es um ihn bestellt ist. 

 

Ich finde, dass Sommerbiene hier reflektiert und gut argumentiert.

 

Tatasche ist: 

Die Stressskala der Bienen ist für uns Imker kaum bzw. gar nicht zu erfassen !

 

Wenn die Standortverantwortung des Imkers als eine Grundvoraussetzung gesehen wird, dann dient ein „Wandern“ in trachtreichere Gebiete eigentlich der Ertragssteigerung. 

 

Nicht nur, denn wenn man z.B. auch gerne Waldhonig ernten möchte, den es aber nur z.B. 100km vom Standort entfernt gibt, dann ist es somit auch eine Frage welche bzw. wieviele Sortenhonige man ernten möchte. 

 

Unabhängig von den furchtbaren amerikanischen Riesenbienentrucks, könnte ich mir eine einmalige "Verlegung oder Wanderung" ins Gebirge im Juli schon vorstellen, unter Berücksichtigung aller erdenklichen und notwendigen Maßnahmen. Ich liebe Waldhonig, aber ob ich diesen arbeitsintensiven Mehraufwand wirklich auf mich nehmen würde, bezweilfle ich ;-)

 

Zum Stress beim Transport:

Auch wenn man bemüht ist, es für die Bienen so angenehm wie möglich zu machen, wird es sie stressen. 

 

Wie schaut es aber aus, wenn ein Schwarm im Ast eines Baumes hängt und der Wind ihn durchschüttelt? Das müßte doch auch Stress verursachen?

 

 

Whataboutism:

Wer kennt das nicht auch aus der Partnerschaft! 

Man diskutiert, streitet über ein Thema, kann sich nicht mehr wehren und dann werden alte oder andere Themen angeschnitten oder rausgekramt, um doch noch oder noch mehr Gewichtigkeit in der eigenen Argumentation zu bekommen. 

Ist nicht fair, bringt eigentlich nichts und soll auch nicht so sein, zumindest nicht in einer sachlichen Diskussion.

 

Dennoch würde ich sagen, ist es mir durch diesen Vergleich hier von Äpfel und Birnen etwas klarer geworden. 

Die Motivation bzw. die Ursache für Stressauslöser ist nicht unwesentlich, denn das Käfigen und der damit entstehende Stress dient ausschließlich der Varroabekämpfung und der Ameisensäurevermeidung. Das Wandern dient eher dem Imker in Form von Ertrag und Honigsorten.

 

Der letzte Satz von Sommerbiene regt zum Nachdenken an:

"Die Summe aller Stressfaktoren für unseren Bien macht es aus, wie es ihm heute geht und wie es um ihn bestellt ist."

 

 

Keine Ahnung, aber vielleicht wäre der Bien dann auch widerstandsfähiger gegenüber der Varroa, wenn er in Summe weniger Stress hätte ?! 

Ciao,
Beenocchio

Noldi
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Re: Wanderimkerei - pro und contra

Das käfigen der Königin über Wochen dient dem Imker, in der Natur kommt das nicht vor. Varroabekämpfung geht auch anders und ohne einen derart gravierenden Eingriff. Das Argument hat nichts mit Whataboutismus zu tun oder mit ausgehenden Argumenten, sondern sollte lediglich dem Schreiber einen Spiegel vorhalten. Es war lediglich ein Hinweis darauf, dass es auf alles mögliche verschiedene Blickwinkel betrachtet werden kann. Es gibt verschiedenste Gründe für das Wandern. Egal ob wegen Trachtlücken, statt der Auffütterung mit Zucker, zur Ertragssteigerung (ohne diesen Punkt gäbe es in den meisten Bundesländern überhaupt keine Erwerbsimker, weil nicht rentabel), zur Bildung von Ablegern, zur Zucht (Auffuhr von Begattungskästchen), zur Sortenhoniggewinnung, ... alle haben für mich ihre Berechtigung. Für andere halt nicht.

 

Das sind reine Moraldiskussionen. Moral muss aber jeder mit sich selbst ausmachen.

Bienenbauer
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Bienenwanderungen nur mit Doppeachshänger - damit dieser nicht in die Schlaglöcher hineinsinkt - oder am Transporter......

Ich war bei der Anhängerfirma ATZ in Klagenfurt um meinen Hänger wieder saisonfit zu machen. Da hägte gerade ein Kunde einen neuen Anhänger an und montiert die neue Nummertafel. (Villacher Kennzeichen). Da sein Auto eine reine "Imker-Werbebotschaft" darstellte hatte man das Gefühl, jede möchte nur seine Biene sein.

Ich habe ihm angesprochen, warum er einen Hänger mit einer Achse kauft, der hoppelt bei jedem Schlagloch fürchterlich und die Bienen neigen zum Verbrausen...   Die Antwort: Ich habe ja nicht so viele Bienen!

Hängt es von der Anzahl der Bienenvölker ab, wie sorgsam ich mit den Bienen umgehe... oder soll die Sparsamkeit hier seine Grenzen haben? 

Die Wirkungen von Bienenwanderungen hängen von so vielen Parametern ab (wie auch die Wanderbeuten mit Vorbau, in die die Bienen hinaus können), dass es sehr gewagt ist, über Menschen, die es tun, positiv oder negativ zu urteilen, ohne ihre die näheren Umstände zu kennen. Da hat schon der Gesetzgeber in den meisten Bundesändern über das Ziel geschossen, grundsätzlich das Wandern mit offenen Beuten zu verbieten (ich denke da an meinen "Plananhänger ohne Lichtfläche" - die Bienen steigen auf die Vorderseite bis zum Dach der Beute... und sammeln sich in der früh wenn es kühl ist wieder am Flugloch... bevor man gemütlich mit Beginn des Bienenflugs ablädt...)

Tja...

LG

JB

Reinhard
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Re: Wanderimkerei - pro und contra

Danke, Noldi, für deine Zusammenfassung auf einer realitätsbezogenen Ebene ohne philosophische bzw. antroposophische Ausschweifungen. Du hast es verstanden!

Pfiati, Reinhard

 

beenocchio
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Re: Wanderimkerei - pro und contra

Reinhard schrieb:

Danke, Noldi, ... Du hast es verstanden!

Das ist immer eine Frage der Perspektive. Aus Deiner Sicht eben schon. 

Auch wenn Noldi generell ein "Versteher" ist, sind Fragen und ein Reden darüber wichtig, um selbst weiter zu kommen. So sehe ich das, denn ich muss mir in so vielen Bereichen der Imkerei noch erst eine Meinung bilden.

Ciao,
Beenocchio

beenocchio
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Re: Wanderimkerei - pro und contra

Noldi schrieb:

Das käfigen der Königin über Wochen dient dem Imker, in der Natur kommt das nicht vor.

...

Das sind reine Moraldiskussionen. Moral muss aber jeder mit sich selbst ausmachen.

Da gebe ich Dir recht, es sind Moraldiskussionen ;-)

Aber warum dient das Käfigen dem Imker?

Ciao,
Beenocchio

beenocchio
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Re: Wanderimkerei - pro und contra

Noldi schrieb:

Da finde ich die Königin über Wochen käfigen für deutlich belastender für den Bien. 

Mich würde auch interessieren, wie Du zu dieser Meinung gekommen bist?

Ciao,
Beenocchio

Noldi
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Re: Wanderimkerei - pro und contra

Die Italiener haben bezüglich käfigen der Königin viele Versuche gemacht. Je nach verwendetem Käfig war die Umweiselungsrate nach dem freigeben der Königin teils gar nicht soo gering. Kann also nicht soo lustig für die Bienen und die Königin sein. Schlussendlich kam dann der Scalvini Käfig. Mit dem dürfte es recht gut funktionieren. Zumindest hört man von den Italienern nur gute Dinge darüber. Somit klingt es danach als würde es mit dem Scalvini Käfig recht gut funktionieren. Mangels eigener Erfahrung mit diesem Käfig kann ich dir aber nicht sagen ob und wie sich die Bienen bei diesem speziellen Käfig verhalten.

Sommerbiene
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Re: Wanderimkerei - pro und contra

Noldi schrieb:

 Das Argument hat nichts mit Whataboutismus zu tun .....

 

Das wäre aber ganz eine neue Theorie, die Du da aufstellst, Noldi. Du bist der erste, der Whataboutism völlig anders definiert ;-)

 

 

 

 

 

 

 

 

Grüße von der Sommerbiene.

Sturmimker
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Re: Wanderimkerei - pro und contra

So ist es in Wiki definiert:

https://de.wikipedia.org/wiki/Whataboutism

lg Michael

Am wichtigsten ist die Biene, alles andere ist primär

Wintertraube
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Re: Wanderimkerei - pro und contra

Reinhard schrieb:

Danke, Noldi, für deine Zusammenfassung auf einer realitätsbezogenen Ebene ohne philosophische bzw. antroposophische Ausschweifungen. Du hast es verstanden!


Ich seh das anders.....

Die Ausführungen und Argumentationen von unserer Sommerbiene sind präzise und ohne Mascherl serviert. Simma doch bitte froh, dass wir hier authentisches Publikum (ala Sommerbiene oder Noldi) haben das die Go aufmacht und nicht irgendwas nachplappert. Genau deshalb unterhalt ich mich gerne mim Hannes.....weil Bereiche und Blickwinkel für mich ersichtlch werden, die ich so noch gar nicht betrachtet gehabt hatte. Auch bemerk ich immer wieder für mich ungute Situationen und Themen die mich selbst betreffen, dafür bin ich sehr dankbar:-)

Ist für manche viellecht unangenehm, aber wenn man genau darüber nachdenkt, muss es doch gar nicht unangenehm sein.

Ich denke wir haben alle was davon wenn jeder seine Meinung sagen kann und darf, ohne hier in irgendeine Richtung oder Kategorie eingeteilt zu werden.

Nur weil etwas kritisch beäugt und kommuniziert wird, muss sich das Gegenüber ja nicht angegriffen fühlen (oder was auch immer hier bei manchen Kollegen passieren mag).

Daher meine ich, lassen wir die persönlichen Befindlichkeiten weg und unterhalten uns auf sachlicher Ebene weiter. Wir wollen dass es unseren Bienen gut geht und wir geben unser Bestes (und hinterfragen unser Handeln regelmäßig - ein weiteres Plus für unsere Sommerbiene - denn wenn eines sicher ist, dann die Selbstkritik in Bezug auf das Bienenvolk)

Danke und liebe Grüße, Christian