Wildtier-Biene

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Matthias 86
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Wildtier-Biene

Hallo, bei der ganzen Rassenthematik stellt sich mir die Frage,..."Wie viele wildlebende Bienenvölker gibt es (noch) bzw. welcher Rasse gehören sie an...oder besser gesagt "welche merkmale der von uns gehaltenen Bienen haben sie?"  ....wir machen uns Gedanken über die von uns gehaltenen Bienenrassen ohne darüber nachzudenken welche Völker event. ganz in unserer Nähe (wild) leben.

Mir ist klar dass es verschwindend wenige sein werden,...jedoch unterstelle ich uns, in Sachen "Zuchtauslese,Toleranzzucht etc. völlige Inkompetenz gegenüber der natürlichen Auslese"

 

Noldi
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Re: Wildtier-Biene

Dr. med. Uwe M. Lang hat letztes Jahr im Bienenaktuell in den Heften 5-9 einen Artikel über wildlebende Honigbienen geschrieben. Der interessantere Artikel von ihm war in der Zeitschrift "Der Buckfastimker" in der Ausgabe 3/2017. Darin definierte er wild lebende Honigbienenvölker so:

"Es handelt sich dabei in diesem Beitrag nicht um Wildbienen und auch nicht um die ursprünglich bei uns heimische Honigbiene, sondern um die aktuell in unseren Breitengraden frei, in selbst gewählten und nicht bewußt von Menschen zur Verfügung gestellten Nisthöhlen, nicht in menschlichem Bestiz, ohne menschliche Pflege und Behandlung lebende Honigbienenvölker."

Er unterteilt die Völker in Kategirien:

Unmittelbar von Imkervölkern abstammende wild lebende Völker

- im Umkreis von 5km mind. ein Imkerstand. Langjährig überlebende wild lebende Völker sind auch in der weiteren Umgebung (bis 50km Abstand) nicht bekannt. Sie überleben in den allermeisten Fällen den ersten Winter nicht, manchmal aber doch auch einen, maximal zwei Winter, schwärmen manchmal auch, meist im Jahr nach der Standort-Besiedelung. Sie werden daher meist ab Schwarmzeit im Mai bis in den November beobachtet. Das Aussehen der Bienen ist meist der Carnica ähnlich. Ihre ausgesuchten Standorte wirken manchmal etwas ungeschickt - wie z.B. Dachvorsprünge, unter denen sie dann frei hängend ihr Wabenwerk bauen -, oft sind es aber auch Baumhöhlen in Praks oder kleineren Wäldern.

Kurzfristig überlebende wilde Honigbienenvölker mit wilder Abstammung

- ... stammt nicht mehr unmittelbar von Imker- oder deren ersten Generation von Tochtervölkern, sondern ebenfalls mindestens 2 Generationen in freier Natur lebenden Muttervölkern ab, ... Entscheidend ist ..., daß sich ein oder mehr langfristig überlebende Völker an einzelnen Standorten der weiteren Umgebung nachweisen lassen. Die Völker dieser 2. Untergruppe überleben zwar ebenfalls nur kurz, höchstens 2 Winter, sind daher meist zu ähnlichen Zeiten zu beobachten wie die vorherige Untergruppe. Das Aussehen ähnelt aber wiederum mehr ihren Muttervölkern, also den langfristig überlebenden Völkern (siehe nächste Untergruppe), zeigt oft - aber nicht immer - einen mehr oder weniger deutlichen Ligustika- oder Buckfast-Einschlag mit den bekannten orange-hellbraunen Ringen im vorderen Teil des Hinterleibs. Auch die Standortwahl ist kaum von der der vorherigen Gruppe zu unterscheiden, wobei vielleicht eher auffällt, daß alte Standorte über Jahrzente immer wieder neu besiedelt werden, trotzdem aber suboptimal zu sein scheinen. Bsp. wäre ein eher ländliches Gebiet um den Kobernaußer- und Hausruckwald in Oberösterreich, ...

Langfristig überlebende wilde Honigbienenvölker

- Diese Völker bilden den Kern der wild lebenden Populationen, werden im weiteren als Anker- oder Kernvölker bezeichnet. Sie sind anscheinend in der Lage an manchen Standorten mehr als 2 Winter zu überleben, ein Besiedlungskontinuum sicherzustellen, das bei Fluktuationen der Untergruppe 2 zu einer Regeneration der Völkerdichte beiträgt.Es ist anzunehmen, daß sie größtenteils von ebenfalls langfristig überlebenden wilden Völkern abstammen, wobei natürlich nicht ganz auszuschließen ist, daß auch mal einzelne Völker der Untergruppe 1 langfristig überleben, da ja auch einzelne Imker glaubhaft beteuern, ihre Völker würden auch ohne Behandlung gesund bleiben. Im Umkreis bis zu 5km des wild lebenden Volkes ist nicht unbedingt ein Imkerstand zu erwarten, ist aber auch nicht ausgeschlossen, wobei zu viele Imkervölker in der Umgebung wahrscheinlich eher eine ungünstige Wirkung auf wild lebende Völker haben. Entscheidend ist auch bei den Völkern dieser Untergruppe, daß sich ein oder mehr langfristig überlebende Völker in einem Umkreis von bis zu 50km nachweisen lassen.Der 50km-Abstand wird deswegen als ausreichend erachtet, weil von einer Entdeckungsquote der Ankervölker von höchstens 10% ausgegangen wird und eine Entfernung von je 5km zwischen zwei Völkern innerhalb einer Population noch für möglich gehalten wird. Anker- bzw. Kernvölker überleben mindestens, meist aber deutlich länger als 2 Winter, sind daher meist schon bei den ersten Reinigungsflügen zu beobachten, wobei diese manchmal - aufgrund der kühleren Umgebungstemperaturen in dicken Mauern oder feuchten Wäldern - etwas später stattfinden als bei den Imkervölkern der Umgebung, ... Das Aussehen zeigt oft - wie schon bei der Untergruppe 2 erwähnt - den mehr oder weniger deutlichen Ligustika- oder Buckfast-Einschlag, der besonders dann bezeichnend ist, wenn die umgebenden Imker alle Carnica-Bienen halten. Die Standorte dieser Völker sind meist schon seit Jahrzehnten besetzt ...

Bienenbauer
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Re: Wildtier-Biene

Noldi schrieb:

Dr. med. Uwe M. Lang hat letztes Jahr im Bienenaktuell in den Heften 5-9 einen Artikel über wildlebende Honigbienen geschrieben. Der interessantere Artikel von ihm war in der Zeitschrift "Der Buckfastimker" in der Ausgabe 3/2017. Darin definierte er wild lebende Honigbienenvölker so:

"Es handelt sich dabei in diesem Beitrag nicht um Wildbienen und auch nicht um die ursprünglich bei uns heimische Honigbiene, sondern um die aktuell in unseren Breitengraden frei, in selbst gewählten und nicht bewußt von Menschen zur Verfügung gestellten Nisthöhlen, nicht in menschlichem Bestiz, ohne menschliche Pflege und Behandlung lebende Honigbienenvölker."

Er unterteilt die Völker in Kategirien:

Unmittelbar von Imkervölkern abstammende wild lebende Völker

- im Umkreis von 5km mind. ein Imkerstand. Langjährig überlebende wild lebende Völker sind auch in der weiteren Umgebung (bis 50km Abstand) nicht bekannt. Sie überleben in den allermeisten Fällen den ersten Winter nicht, manchmal aber doch auch einen, maximal zwei Winter, schwärmen manchmal auch, meist im Jahr nach der Standort-Besiedelung. Sie werden daher meist ab Schwarmzeit im Mai bis in den November beobachtet. Das Aussehen der Bienen ist meist der Carnica ähnlich. Ihre ausgesuchten Standorte wirken manchmal etwas ungeschickt - wie z.B. Dachvorsprünge, unter denen sie dann frei hängend ihr Wabenwerk bauen -, oft sind es aber auch Baumhöhlen in Praks oder kleineren Wäldern.

Kurzfristig überlebende wilde Honigbienenvölker mit wilder Abstammung

- ... stammt nicht mehr unmittelbar von Imker- oder deren ersten Generation von Tochtervölkern, sondern ebenfalls mindestens 2 Generationen in freier Natur lebenden Muttervölkern ab, ... Entscheidend ist ..., daß sich ein oder mehr langfristig überlebende Völker an einzelnen Standorten der weiteren Umgebung nachweisen lassen. Die Völker dieser 2. Untergruppe überleben zwar ebenfalls nur kurz, höchstens 2 Winter, sind daher meist zu ähnlichen Zeiten zu beobachten wie die vorherige Untergruppe. Das Aussehen ähnelt aber wiederum mehr ihren Muttervölkern, also den langfristig überlebenden Völkern (siehe nächste Untergruppe), zeigt oft - aber nicht immer - einen mehr oder weniger deutlichen Ligustika- oder Buckfast-Einschlag mit den bekannten orange-hellbraunen Ringen im vorderen Teil des Hinterleibs. Auch die Standortwahl ist kaum von der der vorherigen Gruppe zu unterscheiden, wobei vielleicht eher auffällt, daß alte Standorte über Jahrzente immer wieder neu besiedelt werden, trotzdem aber suboptimal zu sein scheinen. Bsp. wäre ein eher ländliches Gebiet um den Kobernaußer- und Hausruckwald in Oberösterreich, ...

Langfristig überlebende wilde Honigbienenvölker

- Diese Völker bilden den Kern der wild lebenden Populationen, werden im weiteren als Anker- oder Kernvölker bezeichnet. Sie sind anscheinend in der Lage an manchen Standorten mehr als 2 Winter zu überleben, ein Besiedlungskontinuum sicherzustellen, das bei Fluktuationen der Untergruppe 2 zu einer Regeneration der Völkerdichte beiträgt.Es ist anzunehmen, daß sie größtenteils von ebenfalls langfristig überlebenden wilden Völkern abstammen, wobei natürlich nicht ganz auszuschließen ist, daß auch mal einzelne Völker der Untergruppe 1 langfristig überleben, da ja auch einzelne Imker glaubhaft beteuern, ihre Völker würden auch ohne Behandlung gesund bleiben. Im Umkreis bis zu 5km des wild lebenden Volkes ist nicht unbedingt ein Imkerstand zu erwarten, ist aber auch nicht ausgeschlossen, wobei zu viele Imkervölker in der Umgebung wahrscheinlich eher eine ungünstige Wirkung auf wild lebende Völker haben. Entscheidend ist auch bei den Völkern dieser Untergruppe, daß sich ein oder mehr langfristig überlebende Völker in einem Umkreis von bis zu 50km nachweisen lassen.Der 50km-Abstand wird deswegen als ausreichend erachtet, weil von einer Entdeckungsquote der Ankervölker von höchstens 10% ausgegangen wird und eine Entfernung von je 5km zwischen zwei Völkern innerhalb einer Population noch für möglich gehalten wird. Anker- bzw. Kernvölker überleben mindestens, meist aber deutlich länger als 2 Winter, sind daher meist schon bei den ersten Reinigungsflügen zu beobachten, wobei diese manchmal - aufgrund der kühleren Umgebungstemperaturen in dicken Mauern oder feuchten Wäldern - etwas später stattfinden als bei den Imkervölkern der Umgebung, ... Das Aussehen zeigt oft - wie schon bei der Untergruppe 2 erwähnt - den mehr oder weniger deutlichen Ligustika- oder Buckfast-Einschlag, der besonders dann bezeichnend ist, wenn die umgebenden Imker alle Carnica-Bienen halten. Die Standorte dieser Völker sind meist schon seit Jahrzehnten besetzt ...

Und wieder wird versucht, eine verallgemeinernde Studie durch einen ausgesuchten Abschnitt sinnverändernd darzustellend. Diese Studie kann für die erhobenen Räume Sinn machen. Die Erhebungen wurden auch dort gemacht, wo die Carnica keinen natürlichen Ursprung hat und auch immer andere Genetik vorhanden war. Keinesfalls kann man diese Studie über Regionen drüberstülpen, die nicht vergleichbar sind.

LG

JB

 

BHei
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Re: Wildtier-Biene

Also seid mir nicht böse, aber ich lese die Beiträge von Dr. Lang so, dass es sich um seine Vermutungen handelt. Handfeste Erhebungsdaten sehe ich da keine drin (er bittet vielmehr um Mitteilungen über solche Beobachtungen). Vielleicht schließt er von ein paar Einzelfällen auf ganz Deutschland oder Europa. Aber einer wissenschaftlichen Prüfung hält das, was er bisher veröffentlicht hat im Bienenaktuell nicht stand. Wo sind die Zahlen, Daten, Fakten ...?

 

vG

Berthold

Matthias 86
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Re: Wildtier-Biene

Hallo,

da geb ich Berthold recht.

Generell wollte ich eure Meinungen und Erfahrungen...und im besten Fall "Beobachtungen" hören

und nicht kopierte Texte die dann wieder Zitiert werden.

 

Es währe doch interessant wie sich Völker entwickeln die "ausgesetzt" wurden (nat. in entsprechender Behausung)

...und mit weiteren "Nistmöglichkeiten" in der Nähe.

 

 

ManfredH
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Re: Wildtier-Biene

Matthias 86 schrieb:

Es währe doch interessant wie sich Völker entwickeln die "ausgesetzt" wurden (nat. in entsprechender Behausung)

...und mit weiteren "Nistmöglichkeiten" in der Nähe.

Jedem Neuimker wird erklärt das Beuten von toten Bienenvölker unverzüglich bienendicht verschlossen werden müssen weil durch Raub von anderen Völkern sehr leicht Faulbrut ausbrechen kann, falls dort noch stehengebliebene Brut drinnen ist.

Vor einigen Jahren waren solche  "Nistmöglichkeiten"  in den Wäldern der Ursprung von AFB im Waldviertel!!

lg Manfred

Matthias 86
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Re: Wildtier-Biene

Das bezieht sich auf den Grundgedanken dass NUR der Imker weis was gut für die Bienen ist und sie ohne IHN nicht überleben könnten....und DAS trifft sicher nicht zu!

Das würde ja sogar bedeuten dass wir wildlebende Völker vorsorglich vernichten müssten?!

Nur um ja nicht zu übersehen dass es event. eingegangen ist und jetzt herrenlose kranke Waben in irgendeinem Baum sind!

 

Wenn man es genau und etwas überspitzt sagen will, war ja eigentlich der Imker der Auslöser für fast alle Probleme der Bienen...

...das sollte man sich von Zeit zu Zeit in Erinnerung rufen.

Reinhard
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Re: Wildtier-Biene

Matthias 86 schrieb:

 

 

Wenn man es genau und etwas überspitzt sagen will, war ja eigentlich der Imker der Auslöser für fast alle Probleme der Bienen...

...das sollte man sich von Zeit zu Zeit in Erinnerung rufen.

Ein wahres Wort! Und nicht nur bei den Bienen....Stirnrunzelnd

Pfiati, Reinhard

 

Sommerbiene
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Re: Wildtier-Biene

Matthias 86 schrieb:

Generell wollte ich eure Meinungen und Erfahrungen...und im besten Fall "Beobachtungen" hören

und nicht kopierte Texte die dann wieder zitiert werden.

Kaum jemand von uns wird Dir hier mit Erfahrungen oder speziellem Wissen dienen können. Schließlich beobachten wir in erster Linie unsere Völker in den Beuten und nicht wildlebende Völker, die überwiegend nach kurzer Zeit zusammenbrechen und von denen sich unsere Bienen vermutlich fallweise so maches (zurück)holen.

Grüße von der Sommerbiene.

Matthias 86
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Re: Wildtier-Biene

Das eröffnet doch ein interessantes Thema.....warum brechen die jetzt zusammen und wo sind die Bienen von vor (Hausnummer)200 Jahren hingekommen?

Ich denke die brechen in erster Linie zusammen weil wir uns in den Holzkisten meist nur noch

sogen. "Leistungsschw***e" halten....die es aber ohne unser Zutun hier nicht in der Form geben würde.