Winterverluste 2017/18 und Aufruf zur Teilnahme an der Untersuchung 2019

Winterverluste 2017/18 und Aufruf zur Teilnahme an der Untersuchung 2019

Der Winter 2017/18 brachte eine vergleichsweise geringe Verlustrate: 11,8% der eingewinterten Bienenvölker über lebten diesen Winter nicht. Um für die gerade zu Ende gegangene Überwinterungsperiode 2018/19 ebenfalls aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten, ersuchen wir Sie, uns auch in diesem Jahr wieder das Überwinterungsergebnis Ihrer Bienenvölker mitzuteilen.

ROBERT BRODSCHNEIDER1, RUDOLF MOOSBECKHOFER2, KARL CRAILSHEIM1
1 Institut für Zoologie, Karl-Franzens-Universität Graz, Universitätsplatz 2, 8010 Graz. 2 Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH, Institut für Saat- und Pflanzgut, Pflanzenschutzdienst und Bienen, Abt. Bienenkunde und Bienenschutz, Spargelfeldstraße 191, 1220 Wien

 

Ergebnisse 2018

Wir bedanken uns bei exakt 1391 österreichischen Im­kerinnen und Imkern, die im vorigen Jahr an unserer Untersuchung teilgenommen und uns Daten von insgesamt 28.373 Bienenvölkern übermittelt haben. Die regionale Herkunft der Datensätze ist in Abb. 1 dargestellt.
Abb. 1: Rückmeldung nach unterschiedlichen Gemeinden. Wien wird nicht im Detail dargestellt.Vergleichbare Untersuchungsergebnisse aus Österreich reichen bis in den Winter 2007/ 2008 zurück (Abb. 2). In den elf bisher untersuchten Jahren wurden insgesamt 10.977 Datensätze von Österreichischen Imkereien für 244.409 eingewinterte Bie­nenvölker bereitgestellt. Die über die elf bisher untersuchten Winter gemittelte Verlustrate beträgt 16,5 %. Mit 11,8 % (Konfidenzintervall: 11,1 –12,5 %) erwiesen sich die Verluste im Winter 2017/18 damit auch im langfristigen Vergleich als gering. Eine detaillierte, circa 50 Seiten umfassende Auswertung der Ergebnisse betreffend den Winter 2017/18 findet sich im ersten Zwischenbericht des von Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus, Biene Österreich und den Bundesländern finanzierten Projekts „Zukunft Biene 2“ auf www.Zukunft-Biene.at. An dieser Stelle sei auch auf die Zusammenfassung im Endbericht des Projektes „Zukunft Biene“ verwiesen, die vier Überwinterungsperioden (2013/14, 2014/15, 2015/16, 2016/17) umspannt. Der Bericht ist auf dieser Seite ebenfalls online verfügbar.

 Abb. 2: Höhe der jährlichen Winterverluste in Österreich 2007/08 bis 2017/18 in Prozent.

Detailbeschreibung

Der Versuch, die verlorenen Völker zu kategorisieren, hat uns schon seit Beginn der Untersuchung beschäftigt. Zum einen beinhaltet das Schadbild manchmal wertvolle Informationen über die Ursache, zum anderen darf die Beschreibung für diese Untersuchung nicht zu kompliziert sein, soll sie doch von allen TeilnehmerInnen ohne weitere Hilfsmittel erbracht werden können. Genaue Ursachenforschung, zum Beispiel auf Viren oder Pestizide, ist ohne Laborausrüstung nicht möglich. Selbst die nachträgliche Bestimmung der Varroabefallsrate eines verlorenen Volkes ist nicht trivial, daher wurde im Rahmen von Zukunft Biene ja auch eine beträchtliche Anzahl von Völkern genauestens überwacht, und die gewonnen Proben mit standardisierten Methoden untersucht. Für die Untersuchung mit Imkerbeteiligung hat die internationale Vereinigung COLOSS (www.COLOSS.org) in den vergangenen Jahren wenige, leicht fest­zustellende Schadbild-Beschreibungen und Terminologien standardisiert, die in ganz Europa angewandt werden, siehe Abb. 3.
Abb. 4: Unterschiedliche Schadbilder

Zunächst bezieht sich diese Untersuchung auf Völker vor dem Winter, von denen im nächsten Jahr im Regelfall eine Honigleistung zu erwarten ist. Nach der Überwinterung, zum Beispiel bei der Frühjahrsrevision, kann ein Volk als Verlust oder überlebend gewertet werden. Überlebende Völker können weiters in starke beziehungsweise schwache, aber weiselrichtige Völker unterschieden werden. Nur diese beiden Gruppen gelten als erfolgreich überwinterte Völker. Bei den verlorenen Völkern wird zwischen drei Verlusttypen unterschieden:

1. Der klassische Winterverlust (Volk tot – Beute leer oder viele tote Bienen in Beute),

2. Verluste durch Elementarschaden (zum Beispiel Tierschäden wie durch den Specht, aber auch Flutschäden und ähnliches) und

3. Völker mit lebenden Bienen, aber ohne eine Arbeiterinnen-Eier legende Königin.

Punkt 2 ist bedeutend, da solche Völker aus weiteren epidemiologischen Untersuchungen ausgeschlossen werden können, da zu diesen Völkern keine klare biologische Ursache – etwa Varroabefall oder Pestizidschäden – zu eruieren ist. Völker unter Punkt 3 werden als Verlust gewertet, weil diese Völker zumeist aufgelöst werden, wenn keine Reserveköniginnen zur Verfügung stehen. In den Vorjahren zeigte sich, dass der Anteil von Völkern mit Königinnenproblemen während der Überwinterung relativ stabil war und bei lediglich 3,6 bis 4,4 % aller eingewinterten Völker lag. Wir verstehen diesen Wert auch als einen Hinweis auf etwaige Jahreseffekte, in denen Königinnen schlechter Qualität aufgrund von ungünstigen Begattungsbedingungen auftreten können.

Die nächste Ebene ist eine detaillierte Beschreibung des zuvor als klassischer Winterverlust beschriebenen Falles unter Punkt 1. Die Übermittlung dieser Beschreibung ist zur Teilnahme an dieser Untersuchung nicht zwingend notwendig; im Idealfall summieren sich diese weiteren Detailbeschreibungen zur Zahl der Winterverluste (Punkt 1) auf. Dabei wird zwischen Völkern mit vielen toten Bienen in oder vor der Beute und (komplett oder annähern) leergeflogen Beuten unterschieden. Letzteres wurde in den vergangenen Jahren als das am häufigsten in Österreich auftretende Schadbild identifiziert. Leider gibt für dieses Schadbild nicht eine einzige kausale Ursache. Es spiegelt vielmehr das typische Absterben des Superorganismus Bienenvolk, ausgelöst durch unterschiedliche Faktoren, darunter auch die Varroamilbe, wider. Oft wird ein Volk dadurch in der Wintertraube so dezimiert, das bereits im Spätherbst oder Frühwinter nur eine kleine, nicht weiter lebensfähige Gruppe von Bienen (inklusive Königin) zurückbleibt. Des Weiteren kategorisieren wir noch zwei leicht zu bestimmende Schadbilder verhungerter Völker (erkennbar an mit dem Kopf voran in Zellen steckenden toten Bienen): Solchen die kein Futter mehr hatten, und jenen wo die Wintertraube den Kontakt zum Futter verloren hat (Futterabriss). Der Grund für die etwas kompliziert erscheinende Abfrage von Schadbildern – im Gegensatz zur Frage nach einer vermuteten Schadursache ist, dass dabei das Wissen der einzelnen ImkerInnen und deren Vermutungen weniger stark gewichtet ist, was zu einer Objektivierung in der Beurteilung führt. Eine Auswahl an Schadbildern zeigt Abb. 4.

Lange Zeitreihe

Zum zwölften Mal in Folge untersuchen wir nun die Wintersterblichkeit von Bienenvölkern in Österreich. Das ist eine respektable Zeit, auch verglichen mit anderen ökologischen Untersuchungen mit Bürgerbeteiligung oder Untersuchungen zu Bienenvolksverlusten in vielen anderen Ländern. Seit der ersten Erhebung 2008 hat sich einiges getan, sowohl bei der von uns eingesetzten Methodik, als auch bei der Wahrnehmung der Ergebnisse durch die Imker- und Wissenschaftsgemeinde. Die Datenerfassung findet heute vorwiegend elektronisch statt, was für viele der TeilnehmerInnen kein Problem mehr darstellt. Ebenso hat sich die Terminologie zu Völkerverlusten, sowie die Offenheit, mit der über Verluste gesprochen wird, in den letzten Jahren geändert. Das Thema wurde in zahlreichen Medien aufgegriffen, und hat die Gesellschaft in hohem Maße für unser liebstes Insekt, die Honigbiene, sensibilisiert. Wer in den letzten Wochen die Berichterstattungen verfolgte, bemerkte wahrscheinlich, dass auch andere Insekten im Windschatten der Biene das Interesse der Medien und der Gesellschaft erlangt haben. In den letzten Jahrzehnten sind zahlreiche Insektenarten verschwunden beziehungsweise. in ihrer Anzahl stark zurückgegangen, was die Imkerei und die Honigbiene zur Sicherung der Bestäubung noch wichtiger macht. Nur durch die oft unbezahlte Arbeit der Imkerinnen und Imker gelingt es jedes Jahr, im Winter verlorene Völker wieder nachzuschaffen, und damit eine mehr oder weniger konstante Population an Bienenvölkern in Österreich zu erhalten. Dies ist bei der Honigbiene möglich, bei ande­ren Insektenarten ist dies nicht so einfach!

Aufruf zur Teilnahme an der Erhebung 2018

Für Österreich liegt nunmehr eine Serie von elf Jahren vor, in denen die Winterverluste von Bienenvölkern erhoben und zur wissenschaftlichen Auswertung verwendet wurden. Im Rahmen des Projektes „Zukunft Biene 2“ kann dieser Datensatz erweitert werden, und damit wichtige Daten zur Bienenhaltung liefern. Wir rufen daher wieder zur zahlreichen Teilnahme an unserer Untersuchung auf. Alle Imkereien (ab einem Bienenvolk) sind eingeladen, uns ihr Überwinterungsergebnis zuzusenden - unabhängig davon, wie die Überwinterung verlaufen ist, auf Wunsch auch anonym. Alle Angaben werden wie gewohnt vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können am einfachsten teilnehmen, indem Sie unseren ausführlichen Fragebogen im Internet (www.Bienenstand.at) ausfüllen. Auf dieser Website können Sie auch Fragebögen für Ihren Verein anfordern oder selbst ausdrucken. Alternativ können Sie uns den hier abgedruckten Kurzfragebogen (mit einer Auswahl der Fragen) per Email, Fax oder Post zusenden.

AnhangGröße
fragebogen_ueberwinterung_bienenvoelker_2018-2019.pdf2.3 MB